Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 5 (1933)
- Date
- 1933-01-01
- Page
- – (sequence 397)
- Language
- German
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mal ließen sich die Juden durch den Mißerfolg nicht abschrecken. Es währte in der Tat nicht lange und das Prager Gubernium mußte sich neuerdings mit derselben Frage beschäftigen. Haben wir i. J. 1834 die Meinung der Mitglieder des Böhmischen Guberniums vernommen, so gibt uns die Enquete des Jahres 1837 Gelegenheit, die Anschauungen der übrigen Repräsentanten der öffentlichen Verwaltung kennenzulernen, der Kreishauptleute, des Kammerprokurators und des Prager Bürgermeisters. Waren i. J. 1833 die Vertreter der gesamten Landesjudenschaft mit dem Gesuch um Gleichberechtigung eingekommen, so ging die Initiative zu einem ähnlichen Gesuch des Jahres 1837 von Privatpersonen aus, nämlich von den Prager Fabrikanten Gebrüder Porges. DiePorges beschäftigten damals in ihren Webereien in Hofitz, Brdo, Raspenau und Braunau, sowie in den Kattunfabriken zu Prag und Smichow insgesamt 5657 Personen. Sie empfanden schwer die aus ihrer religiösen Zugehörigkeit entspringende demütigende gesellschaftliche Stellung. Sie versuchten daher im März d. J. 1837 wenigstens für sich die ausnahmsweise Erteilung der vollen Staatsbürgerschaft zu erlangen. In der Einleitung ihres am 18. März dem Oberstburggrafen Grafen Chotek eingereichten Gesuches wiesen sie auf die Blüte ihrer Betriebe hin, die zu den großartigsten der ganzen Monarchie erwachsen wären, betonten, daß ihre technischen Spezialleistungen einen mächtigen Impuls für die gesamte inländische Kattunindustrie auf dem Wege des Fortschritts und der Solidität abgegeben hätten, rühmten sich der Besuche des Kaisers und der Mitglieder der kaiserlichen Familie in ihren Betrieben und begleiteten das eigentliche Gesuch um Erteilung der Staatsbürgerschaft mit statistischen Einzeldaten über den Umfang und die Einrichtung ihrer Fabriken ein .8 Mit Berufung auf den Geist des Jüdischen Patentes v. J. 1797, das eine allmähliche Gleichstellung der Juden mit den übrigen Staatsbürgern bezweckte, legten die Gebrüder Porges in ihrem Gesuche dar, wie überall die Toleranz über die religiöse Unduldsamkeit siege: das Beispiel anderer Staaten, in denen die Judenemanzipation durchgeführt wurde, vom reichen England bis zum armen Preußen, zeige, daß sich die Befürchtungen der Gegner dieses Schrittes nicht erfüllt hätten; Frankreich habe dadurch angeblich nichts von seiner Industrie eingebüßt und Holland nichts von seinem Handel. Im Gegenteil: die Juden seien in jenen Ländern Notabein ersten Ranges, sei es bei Finanzoperationen, sei es in der Volkswirtschaft, in der Industrie, auf den Schlachtfeldern, auf den Kanzeln, auf den Richterstühlen, in den Krankenhäusern, in der Kunst, der Wissenschaft und Philosophie. Auch in einigen Ländern Österreichs habe das Patent v. J. 1797 wohltätige Wirkungen getan. Ohne indes unter den gegebenen Verhältnissen an die Möglichkeit einer Verwirk- 402 90