Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 5 (1933)
- Date
- 1933-01-01
- Page
- – (sequence 393)
- Language
- German
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führung seiner Anträge eine weitere Hebung des Kulturniveaus der jüdischen Bevölkerung und erhoffte damit auch die Möglichkeit zur Gewährung weiterer Zugeständnisse nähergerückt. Noch schärfer als Lützow sprach sich gegen die jüdischen Forderungen der Gubernialrat Kronenfels aus. Aus seinem scharf stilisierten Votum vernimmt man fast alle Einwände, die in früherer Zeit gegen die Juden erhoben wurden. Die Juden unterschieden sich angeblich wesentlich von den Christen; indem sie sich für das auserwählte Volk Gottes hielten, würden sie sich stets für ein besonderes Volk halten, man müsse daher die Christen vor ihnen schützen; ein völliges Verschmelzen mit der übrigen Bevölkerung sei nirgends geglückt, namentlich deshalb, weil Eheschließungen zwischen Juden und Christen unmöglich seien. Mit Entschiedenheit widersetzte sich Kronenfels der beantragten Aufhebung der Judenstadt in Prag, in der Befürchtung, die reichen Juden würden sich dann die schönsten Wohnungen und Läden in Prag verschaffen, die Zinse hinauftreiben und dadurch die allergrößte Unzufriedenheit bei der christlichen Bevölkerung hervorrufen, namentlich bei den Handelsleuten und Handwerkern. In Prag, wo es 6796 Juden gebe, sei eine Judengemeinde unerläßlich, denn der Magistrat würde die Aufrechterhaltung der Ordnung und die Polizeiaufsicht über die jüdische Bevölkerung nicht bestreiten . Gegen die Aufhebung der Judenschule brachte der Votant vor, die Juden würden dann lieber ihre Kinder überhaupt in keine christliche Schule schicken, um von ihnen die Gefahr religiöser Schädigung in christlicher Umgebung fernzuhalten. Die Aufhebung der Judenkasse war nach dem richtigen Urteil von Kronenfels erst nach Aufhebung der Judensteuer durchführbar. Von einer Freigabe der jüdischen Eheschließungen besorgte er eine merkliche Benachteiligung der christlichen Bevölkerung; denn nach seiner Schätzung gab es bereits damals in Böhmen nicht bloß die bewilligten 8600 Judenfamilien, sondern mindestens 17.200, da sich die erstgeborenen Judensöhne bereits zu Lebzeiten des Vaters einen Hausstand gründeten. Nach Kronenfels' Schätzung gab es damals bloß auf dem flachen Lande rund 20.000 Judenfamilien, die jüdischen Handwerker und Bauern mit inbegriffen, da sie keiner Ehebeschränkung unterworfen waren. Und diese Menge müsse bei ihrem religiösen und Kastengeist streng im Zaume gehalten werden. Nicht minder entschieden trat Kronenfels auch gegen die Erwerbung von Grundstücken und Gebäuden auch auf dem Lande auf: in einigen Jahrzehnten würde es in Böhmen aussehen wie in Galizien. Nur die Judensteuer hielt auch dieser Votant für wirklich drückend und ungerecht und befürwortete ihre Aufhebung. Auch er war überzeugt, die Juden in Böhmen seien mit ihrer Kulturhöhe - er deutete namentlich auf das tiefe Niveau der jüdischen Rabbiner - noch nicht reif für eine völlige rechtliche Gleichstellung mit den Christen und ließ nur seltene Ausnah- 398 86