Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 5 (1933)
- Date
- 1933-01-01
- Page
- – (sequence 378)
- Language
- German
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Gutachten zu erstatten .40 Auch diesmal geschah jedoch in dieser Frage gar nichts. Der Magistrat machte Ende November 1847 darauf aufmerksam, der Bau der Tandelmarkthäuser NC. 500, 501 und 503 sei zwar schon vollendet, aber der Umbau der Häuser NC. 502 und 499 werde erst mit dem nächsten Jahre fertig werden, so daß man die Lösung der Frage der jüdischen Geschäfte bis dahin aufschieben müsse. Die Stadthauptmannschaft betrieb zwar die restlose und augenblickliche Ausquartierung der Judengeschäfte aus der Christenstadt, aber bevor der Magistrat zu einem Gutachten in dieser endlosen Frage zu bewegen war, kam das Jahr 1848 und damit die mit der Konstitution zusammenhängenden Veränderungen; den Juden aber brachten sie wider Erwarten nicht die ersehnte Befreiung. Es würde den Rahmen unseres Themas überschreiten, ausführlich die judenfeindlichen Kundgebungen zu schildern, zu denen es im Jahre 1848 in Prag und in der böhmischen Provinz kam,41 und die zahlreiche judenfeindliche Flugblattliteratur zu beleuchten, die dieser Zeit ihre Entstehung verdankt. Die unter den Prager Zünften im Jahre 1847 veranstaltete Enquete und alle obenerwähnten Proteste der Prager Handels- und Handwerkswelt zeigen deutlich, aus welcher Wurzel die Agitation gegen die Juden hauptsächlich ihre Nahrung zog, und wir hatten Gelegenheit, die Konkurrenzfurcht als Quelle näher kennenzulernen. Auch im Frühjahr des Jahres 1848 war es namentlich der aus solchen Konkurrenzrücksichten entspringende Haß, der in erster Linie zu den antijüdischen Unruhen führte, wie auch daraus hervorgeht, daß es namentlich Wehli war, gegen den sich diese Agitation so scharf richtete, daß sie ihn sogar aus der Christenstadt verdrängte. Die Zähigkeit und der offenbare Erfolg, mit dem sich die Prager Juden und namentlich die Prager Geschäftswelt in der Christenstadt gegen die langjährigen Versuche der Behörden um ihre Ausquartierung aus der Christenstadt zu wehren verstanden, schuf eine Stimmung gegen sie, die sich unverblümt äußern mußte, sobald die Konstitution des Jahres 1848 auch die Freiheit der Meinungsäußerung in Wort und Schrift brachte. Dem unkritischen breiteren Publikum und besonders den Prager Handels- und Handwerkskreisen machte der grundsätzliche Zwiespalt zwischen dem Prinzip der neuerrungenen Freiheit, deren sich die Mehrheit des Volkes erfreute, und zwischen der Praxis, mit der man gegen die Juden vorging, keine Skrupeln. Die Prager Judengemeinde wandte sich zwar damals an den Nationalausschuß um Schutz vor den drohenden Unruhen, und der Nationalausschuß schritt tatsächlich auch beim erzbischöflichen Konsistorium ein, aber die judenfeindlichen Ausschreitungen wurden auf diese Weise nicht verhindert. Die Vorwürfe, welche in den zahlreichen antijüdischen Flugblättern jener Zeit laut werden, decken sich im ganzen damit, was wir früher wiederholt 71 383