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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1933-01-01 · 5 (1933) · page 375

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
5 (1933)
Date
1933-01-01
Page
– (sequence 375)
Language
German
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IRI
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rigkeiten, mit denen eine allgemeine Umquartierung der Judenfamilien aus der Christenstadt in den erweiterten Judenbezirk verbunden wäre, wie übrigens schon die mehrfache Erfahrung aus der Vergangenheit gelehrt habe: die Juden ließen es stets auf das Äußerste kommen, rekurrierten in allen Instanzen, ließen sich gegebenenfalls die Möbel auf die Gasse stellen und behaupteten dann steif und fest, sie hätten keine Wohnung finden können, so daß zuguterletzt die Behörden vor ihrer Zähigkeit kapitulieren mußten. Das Gubernium hatte die Erfahrung gemacht, daß man wegen der Bestechlichkeit der untergeordneten Organe nicht einmal zuverlässig die wirkliche Anzahl der ohne Erlaubnis in der Christenstadt lebenden Judenfamilien erfahren konnte, so daß eine genaue Evidenz einfach ausgeschlossen war. Übrigens war Lobkowitz überzeugt, gegen die strenge Ausquartierung aller Judenfamilien aus der Judenstadt würden auch diejenigen Christen protestieren, die augenblicklich die Juden haßten. Gesetzt aber auch den Fall, es gelänge vielleicht, die Juden in den erweiterten Judenbezirk überzuführen - fuhr Lobkowitz in seinem skeptisch gestimmten aber durch Tatsachen belegten Bericht fort in einigen Monaten würden sie wieder zurückkehren, sobald nur die Wachsamkeit der Behörden einigermaßen nachlasse. Sei dies des Schweißes wert? Sei es nicht besser, das Gesetz zu widerrufen, als es nicht zu erfüllen? Die Erweiterung des Judenbezirkes werde hier nicht helfen, da es in Prag nicht möglich sei, die Judenstadt um neue Häuser zu erweitern. Der Referent teilte die Befürchtungen vor einer haufenweisen Einwanderung der Juden in die Christenstadt keineswegs und wies daraufhin, es werde sowohl auf die Hausbesitzer als auch auf die christlichen Bewohner ankommen. Er betonte übrigens, die Juden ersuchten nicht um die Freiheit des Handels, sondern nur um die Wohnfreiheit, die Besorgnisse vor ihrer Konkurrenz seien also überflüssig. Die bloße Anwesenheit der Juden habe noch niemals Ausschreitungen hervorgerufen und werde es auch diesmal nicht tun. Auch um die Kontrolle der jüdischen Geschäfte und Lagerräume war Lobkowitz nicht bange, denn er baute darauf, die zahlreichen Denunzianten würden schon dafür sorgen. Grundsätzlich gegen das System von Ausnahmsbewilligungen beantragte der Referent, allen Juden das Wohnen in der Christenstadt zu erlauben. Sollte jedoch sein Antrag abgelehnt werden, so bestand er auf der konsequenten Ausquartierung aller Judenfamilien; den sonst würden gerade jene Juden aus dem Erfolge einen Nutzen ziehen, die gesetzwidrig, ohne Erlaubnis, in die Christenstadt gezogen waren. Der ewige Zwiespalt zwischen Theorie und Praxis bei der Lösung der Judenfrage trat auch jetzt bei der Gubernialberatung über den Referentenantrag zutage.39 Die Mehrheit der Gubernialmitglieder teilte den menschenfreundlichen Standpunkt Löbkowitzens keineswegs, sie schlössen 380 68

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