Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1933-01-01 · 5 (1933) · page 367

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
5 (1933)
Date
1933-01-01
Page
– (sequence 367)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2644300-2644317--2335-2646680
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

an den Moldauufern großen Schaden anrichtete und auch wie gewöhnlich die ziemlich tief gelegene Judenstadt arg verwüstete. Gegen Mitte September forderte daher die Hofkanzlei das Gubernium auf, zunächst feststellen zu lassen, ob durch die jüngste Überschwemmung an den Wohnverhältnissen der Judenstadt nicht etwa Veränderungen solchen Umfanges eingetreten wären, daß sie auch Änderungen des eingebrachten Antrages fordern würden. Man mußte sich also nochmals mit der Frage des erweiterten Judenbezirkes befassen. Der Magistrat stellte zwar fest, daß auch die Judenstadt von der Überschwemmung stark in Mitleidenschaft gezogen worden war und daß nur einige wenige Häuser verschont geblieben waren, während alles übrige im Wasser gestanden und das Straßenpflaster aufgerissen worden war; man fand aber trotzdem keinen Grund, den eingebrachten Antrag abzuändern. Mit Befriedigung konnte der Magistrat darauf hinweisen, daß seit 1837 in der Judenstadt 72 Häuser von Grund aus neu aufgebaut32 und 22 teilweise umgebaut worden,33 daß ein Haus (NC. 245) im Bau stehe und die abgetragenen Häuser NC. 226, 233, 236 und 237 bis zum Jahresende fertiggestellt sein würden. Die neu erbauten Häuser waren weit größer als die alten, meist zwei-, vereinzelt auch dreistöckig, und wurden viel reinlicher instandgehalten, als dies sonst in der Judenstadt üblich war, um so mehr als sie von bemittelteren Judenfamilien bewohnt wurden. Der Magistrat beantragte daher, auf dem früheren Antrag zu verharren und künftighin Aufenthaltsbewilligungen für die Christenstadt nur in Ausnahmsfällen zu erteilen. Die Stadthauptmannschaft, vom Gubernium um ihre Wohlmeinung befragt, verwies gleichfalls auf die erfreuliche Baubewegung in der Judenstadt, derzufolge sich die Erweiterung des Judenbezirkes nicht mehr so notwendig erweise wie vordem. Sie betonte, die Überfüllung der Judenstadt, mit der die Juden stets mit Vorliebe argumentierten, sei nicht so groß, sondern im Gegenteil geringer als sonst in den Prager Christenbezirken: denn auf eine Hausnummer in der Judenstadt kämen durchschnittlich 20, in der Christenstadt aber 35-40 Bewohner. Die von der Magistratskommission beantragte Erweiterung erachtete die Stadthauptmannschaft für zu weitgehend; sie war der Meinung, es würde genügen, die Grenze des erweiterten Judenbezirkes von NC. 83/1 durch die Plattnergasse, über den Niklasplatz und unter Ausschließung des Altstädter Ringes durch die Obere Ziegengasse, den Ziegenplatz und die Untere Ziegengasse zur Moldau zu führen; das sei einer der schönsten und gesündesten Stadtteile, falls sich die Juden den Kai für Häuserneubauten zunutze machen. Die Stadthauptmannschaft drang gleichfalls darauf, daß die Judenfamilien aus der Christenstadt binnen Jahresfrist in den neuen Judenbezirk umquartiert würden. Die von der Stadthauptmannschaft beantragte Beschränkung wurde dann auch in den Antrag des Gu- 372 60

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.