Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 5 (1933)
- Date
- 1933-01-01
- Page
- – (sequence 366)
- Language
- German
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Magistratsgutachten zur Grundlage diente, enthielt ausführliche Angaben über die damaligen Wohnverhältnisse des ganzen Judenbezirkes. Die eigentliche Judenstadt zählte damals 279 Häuser, der ursprüngliche Rayon unter der alten Schnur umfaßte vor dem Jahre 1811 66 Häuser, wozu im Jahre 1812 weitere 23 Häuser aus dem Hl.-Geist-Sprengel kamen; der erweiterte Bezirk nach dem Vorschlage vom Jahre 1826 zählte 56 Häuser. Von der Gesamtzahl der Prager Juden waren damals 7424 einheimisch und 936 fremd, davon wohnten in der eigentlichen Judenstadt 5362 einheimische und 567 fremde. Der erweiterte Judenbezirk von 89 Häusern zählte damals 182 jüdische Wohnparteien, mit den Häusern auf der Altstadt, wo die Juden kein Wohnrecht besaßen, insgesamt 291 Wohnparteien; es wohnten also damals zuzüglich der 41 auf der Neustadt ansässigen Judenfamilien insgesamt 332 jüdische Wohnparteien außerhalb der eigentlichen Judenstadt (in dieser Zahl waren auch die wenigen jüdischen Großhandelsleute, Fabrikanten und Manufakturisten inbegriffen, die nach der Allerhöchsten Entscheidung vom 28. April 1811 die Aufenthaltsbewilligung in der Christenstadt hatten). In der eigentlichen Judenstadt gab es damals bereits 32 unbewohnte Häuser, teils öffentliche Gebäude, Synagogen , Rathaus und Schulen, teils wegen Baufälligkeit leerstehende Häuser. Für Wohnzwecke kamen also nur 245 Häuser in Betracht, deren durchschnittliche Wohndichte 22 Köpfe je Haus betrug. Die von der Kommission beantragte neuerliche Erweiterung des Judenbezirkes schien auf den ersten Blick sehr umfangreich - sie begann am Anfang der Geistgasse und umfaßte die ganze linke Seite der Röhrgasse bis zum NC. 773/1, die Gebäude an der Moldau und den Teil der Altstadt vom Altstädter Ringplatz an, die rechte Seite der Plattnergasse und einen Teil des Niklasplatzes, zusammen 278 Häuser. Diese scheinbar allzureichliche Erweiterung begründete die Kommission namentlich damit, daß hier schon jetzt viel Judenfamilien wohnen, die auszuquartieren schwerfallen würde. Durch die beantragte Erweiterung wäre ein Halbkreis entstanden, der außer den 279 Häusern der eigentlichen Judenstadt auch die erwähnten 278 Häuser des erweiterten Bezirkes umfassen würde, was insgesamt 523 bewohnbare Häuser ergäbe. Diese Zahl erschien der Kommission keineswegs zu hoch im Hinblick darauf, daß schon damals von einer Gesamtzahl von 8360 Juden in der Judenstadt 5929 und sonst in der Christenstadt 2431 wohnten. Das Gubernium empfahl der Hofkanzlei den Kommissionsantrag zur Genehmigung. Der Gubernialrat Nacke beantragte zwar eine noch größere Erweiterung des Judenbezirkes, indem er ganz richtig darauf hinwies, daß sicherlich nicht alle Hausherren jüdische Mieter aufnehmen würden, aber er blieb mit seiner Meinung allein. Bevor es jedoch zur Entscheidung der Hof kanzlei kam, wurde Prag im Jahre 1845 von einer großen Überschwemmung heimgesucht, die vor allem 59 371