Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 5 (1933)
- Date
- 1933-01-01
- Page
- – (sequence 359)
- Language
- German
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führe und alles besorge. Der jüdische Wucher, die Wechselpperationen und der Schleichhandel nützten die Not des christlichen Volkes aus und brächten es an den Bettelstab. Die jüdische Industrie reiße das Erzeugungsmonopol an sich - von sieben christlichen Fabriken Prags arbeiteten angeblich vier für die Juden. Pacht, Lizitation, Zubringerei und Kauf gestohlenen Gutes, verderbliche Auswirkung jüdischer Pfiffigkeit und jüdischen Kapitals, Verlockung der Bauern zu Verschwendung und Schuldenmachen, Verleitung des Gesindes zu Veruntreuung und Diebstahl, Rohmaterialieneinkauf und -Verteuerung, Ausnützung des Weberelends im Riesengebirge, Ruinierung der christlichen Industrie und des Handwerkes durch unlautere Konkurrenz, - das waren so die Hauptvorwürfe, die von den christlichen Handelsleuten und Handwerkern gegen die Juden vorgebracht wurden, die angeblich eine eigene Kaste unter der übrigen Bevölkerung des Staates bildeten; sie lebten nur für sich, zusammenraffend, ohne auszugeben, und würden so bald zum herrschenden Volke werden. Schon jetzt hätten sie sich in Prag in den belebtesten Prager Gassen (Bergmann-, Ritter-, Eisen-, Zeltner-, Schwefelgasse, an dem Großen und Kleinen Altstädter Platz, in der Kleinen und Großen Jesuitengasse, auf der Kleinseite in der Brückengasse) der besten Geschäfte bemächtigt (die Konkurrenten nannten auch ausdrücklich den uns bereits bekannten Fall Wehli), durch Überzahlung der Mietzinse würden sie sich noch mehr ausbreiten, dem christlichen Handel alle Kunden abspenstig machen und diesen völlig ruinieren, so daß das ganze schöne Prag auf diese Weise zu einer einzigen großen Judenstadt werden würde. Erst nach Erlangung dieses Handelsmonopols würden die Juden niedrigere Mietzinse diktieren; trotz ihres materiellen Wohlstandes würden sie ihren Charakter nicht verleugnen und sich in keiner Weise der christlichen Bevölkerung anzunähern suchen. Bezüglich der Wohnmöglichkeit in der Judenstadt schrieben die Konkurrenten in ihrem von übertriebener Konkurrenzangst diktierten Protest, an dem jämmerlichen Zustand der Judenstadt seien die Juden selbst schuld, um auf diese Weise die Aufenthaltsbewilligung in der Christenstadt zu erzwingen; sie beantragten neuerdings, auf dem Judenfriedhofe vierzig bis fünfzig Häuser zu erbauen. Die christlichen Handelsleute wollten damit beweisen, es gäbe bei einigem guten Willen in der Judenstadt und am Tandelmarkt genug Platz für alle jüdischen Geschäfte, und sie ersuchten um Ablehnung des jüdischen Ansuchens. Der Magistratsreferent gelangte jedoch in seinem sachlich belegten Gutachten zu einem dem jüdischen Ansuchen günstigen Standpunkt. Schütz machte eingangs aufmerksam, das Patent vom Jahre 1797 hebe die vorhergehenden Beschränkungen des Judenhandels keineswegs ausdrücklich auf und die Berufung der jüdischen Petenten darauf sei darum nicht be- 364 52