Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 5 (1933)
- Date
- 1933-01-01
- Page
- – (sequence 350)
- Language
- German
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fall der jeder Reparatur entbehrenden Judenstadt forderte jedoch immer zwingender, an die jüdische Wohnfrage zu denken. So kam es Ende 1826 zu einer neuerlichen vorläufigen Erweiterung des bisherigen Judenbezirkes. Mit Erlaß vom 31. Oktober 1826 ordnete das Gubernium die Einsetzung einer Kommission zur Beratung der Judenbezirkserweiterung an. Nach ihrem Protokoll vom 17.November 1826 sollte dann der Judenrayon um 53 Häuser, namentlich am Frantischek und in der Umgebung des Gemeindehofes in der Ziegengasse erweitert werden.22 Freilich blieb es auch jetzt noch eine Frage, inwiefern es gelingen werde, die christlichen Hausherren zu veranlassen, Judenfamilien in Miete zu nehmen, wenngleich zu einem erhöhten Zins. An diesem Umstände scheiterten alle diese Versuche einer Judenbezirkserweiterung - und so mußten immer von neuem Kommissionen bestellt werden, die den tatsächlichen Zustand der Wohnverhältnisse in der Judenstadt festzustellen hatten. Darum empfahl auch die Kommission vom Jahre 1826 wiederholt, den Juden auch den Häusererwerb im erweiterten Bezirke zu gestatten. Und eine zweite Klippe, an der alle behördlichen Pläne immer wieder scheiterten, war der zähe Widerstand der Juden, die es stets verstanden, sei es durch einen Hofrekurs, sei es durch unmittelbares erfolgreiches Einschreiten bei einflußreicheren Persönlichkeiten, energischen Schritten gegen die in der Christenstadt wohnenden Judenfamilien zu begegnen. Es ist höchst wahrscheinlich, daß auch im Jahre 1826 die in die neue Erweiterung des Judenbezirkes gesetzten Hoffnungen nicht erfüllt wurden, - wir hören weder damals noch später davon, daß die Ausquartierung tatsächlich gelungen wäre. In formaler Hinsicht wirkte der jüdische Hofrekurs vom Jahre 1812 immer noch aufschiebend; er war selbst 1826 noch nicht erledigt. Erst Ende 1833 entschloß sich der Prager Magistrat zu energischeren Schritten in der Frage der endgültigen Ausquartierung der Judenfamilien aus der Christenstadt. Aber auch damals wiederholte sich die alte Geschichte. Die Prager Judengemeinde wandte sich unverzüglich mit einer Supplik unmittelbar an den Oberstburggrafen Chotek; sie ersuchte darin um vorläufige Aufhebung dieser Verfügung und wiederholte alle früheren Gründe gegen die Ausquartierung aus der Christenstadt - dies wäre angeblich einÜberlebsel barbarischer Zeiten. Die Supplik zeigte, wie sich die Wohnverhältnisse der Judenstadt seit den letzten Verhandlungen bedeutend verschlechtert hätten. Nach Abzug von sechzehn öffentlichen Gebäuden, zwei inzwischen abgetragenen Häusern23 und siebzehn Gebäuden, die infolge ihrer Baufälligkeit nicht bewohnbar waren, verblieben damals von 278 Häusern der eigentlichen Judenstadt nur 243 bewohnbare Häuser, in denen bei einer durchschnittlichen Besetzung eines Hauses mit höchstens zwanzig Personen, bloß 4860 Personen unterzubringen waren, 43 355