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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1933-01-01 · 5 (1933) · page 341

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
5 (1933)
Date
1933-01-01
Page
– (sequence 341)
Language
German
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IRI
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Der Referent empfahl daher, die Judenfamilien wie bisher im Bezirk „unter der Schnur" zu belassen, während in der Christenstadt nach dem Antrag der Stadthauptmannschaft nur die jüdischen Großhandelsleute und Fabrikanten bleiben sollten. Dabei blieb es auch vorderhand, denn zu einer eigentlichen Gubernialentscheidung kam es damals überhaupt nicht. Bald zeigte sich jedoch, daß dieser Status quo nur eine halbe Lösung war, die dem wirklichen Wachstum der Judenfamilien und namentlich den wachsenden Wohnungsansprüchen der bemittelteren Juden nicht Rechnung trug; für diese bedeutete der Aufenthalt im Ghetto bei den damaligen ziemlich primitiven Prager Wohnverhältnissen daselbst tatsächlich einen Anachronismus und begann ihnen sehr unangenehm zu werden; sie drängten sich daher mit aller Macht in die reinlichere und für ihre Geschäfte viel günstigere Christenstadt. Und so mußte es zu Beginn des Jahres 1808 beim Gubernium zu neuerlichen Verhandlungen in der Judenstadtfrage kommen. Die Gutachten der Gubernialräte, die sich damals, erst nach Jahresfrist, zu dem Referentengutachten vom Ende Jänner 1807 äußerten, fielen keineswegs einheitlich aus. Hofrat Macneven eröffnete die Enquete per rollam. Er nahm im allgemeinen eine wenig judenfreundliche Haltung ein. Er anerkannte zwar die Hindernisse, die sich der beabsichtigten Überführung aller Judenfamilien in die Judenstadt in den Weg stellten, empfahl jedoch den Judenbezirk „unter der Schnur" nur auf jenen Teil des Rayons beim Hl. Geist auszudehnen, der mit der alten Schnur zusammenhing, und in der Judenstadt möglichst viele Judenfamilien unterzubringen. Gegen die Einwendungen sanitärer Natur führte der Votant neuerdings das Argument von der im Vergleich mit den Christen verhältnismäßig geringen Sterblichkeit der Juden ins Treffen und machte geltend, sie hielten sich ohnedies nur über Nacht daheim auf, während sie tagelang in der Christenstadt ihrem Erwerb nachgingen; übrigens sei bekannt, daß die Juden bei jeder Erkrankung sofort den Arzt zu Rate zögen, wodurch sie sich vor epidemischen Krankheiten schützten. Nur bezüglich der jüdischen Fabrikanten und Großhandelsleute gestattete Macneven die Belassung in ihren bisherigen Wohnungen in der Christenstadt, doch nur auf eine beschränkt befristete Zeit von ein bis drei Jahren, und beantragte dafür die Erhebung einer Taxe, von deren Ertrag neue Häuser in der Judenstadt gebaut werden sollten, deren restlose Verbauung er empfahl. Gubernialrat Royko äußerte seine volle Zustimmung zu dieser Meinung. Gubernialrat Kotz dagegen erhob in einem ausführlichen Gutachten entschiedenen Widerspruch. Er leitete sein Votum mit einer schonungslosen Kritik der skandalösen Zustände der Judenstadt ein, die ein unver- 346 34

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