Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 5 (1933)
- Date
- 1933-01-01
- Page
- – (sequence 335)
- Language
- German
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die Judenstadt in der Tat nicht mehr imstande war, der anwachsenden Prager Judenschaft ein einigermaßen anständiges Wohnen zu gewährleisten. Und so mußte das Gubernium schon im Jahre 1797 neuerdings notgedrungen auf Besserung sinnen. Die Aufmerksamkeit des Magistrates war damals vorwiegend den im Prager Ghetto wohnenden fremden Juden zugewandt. Man zählte in jener Zeit 41 solche Familien, 13 davon hatten in der Judenstadt ihre eigenen Wohnungen und die andern 28 wohnten gemeinsam mit den übrigen Judenfamilien. Die amtlichen Erhebungen ergaben, daß in der Christenstadt insgesamt 232 größtenteils sehr zahlreiche Judenfamilien wohnten, die unter den gegebenen Verhältnissen schlechterdings in der Judenstadt keine Unterkunft finden konnten, selbst wenn es gelungen wäre, sämtliche fremde Juden von dort auszuquartieren . Der Magistrat sah keinen Ausweg aus dieser Not. Er machte daher in seinem Berichte an das Gubernium aufmerksam, gegen die in der Christenstadt wohnenden Juden bestehe im großen ganzen kein Anstand und selbst die christlichen Hausherren legten Fürsprache zu ihren Gunsten ein. Der Magistrat beantragte daher, diese Familien auch weiterhin in der Christenstadt zu belassen, sie aber in jenen Gassen zu vereinigen, in denen sie schon jetzt meistens wohnten, nämlich auf die Geist-, Kreuz-, Karpfen-, Ziegengasse, eventuell am Krechten und am Frantischek.4 Das Gubernium war jedoch entschlossen, diesmal die alte Frage der Ghettoerweiterung radikaler zu lösen, und gab so den Anstoß zur Verfassung einer ausführlichen Konskription der Judenstadthäuser; obwohl schon zu Beginn des Jahres 1798 angeordnet, wurde dieses Werk erst im Mai 1801 vollendet.6 In der Gesamtzahl von 274 Konskriptionsnummern der Judenstadt waren 1191 Teilhäuser enthalten (eine Konskriptionsnummer enthielt sogar 23 Teilhäuser); sie enthielten ferner 1790 heizbare und 1204 unbeheizbare Zimmer, 376 Kammern, 201 Keller, 1198 Küchen und 356 Mansarden („Lauberhütten"). Als die Prager Judengemeinde den letzten Bogen dieser ausführlichen Beschreibung der Stadthauptmannschaft überreichte, machte sie darauf aufmerksam, daß einzelne Räume gleichzeitig von zwei bis vier jüdischen Familien benützt werden, daß die Mehrzahl der Judenfamilien nur über ein einziges Zimmer und eine Kammer verfüge und daß vielfach auch mehrere Familien auf eine gemeinsame Küche angewiesen seien. Die Räume seien größtenteils höchst ungesund, klein und feucht. Die Judengemeinde verwies auf die große Gefahr von Seuchen und Bränden in der übervölkerten Judenstadt und führte als drastische Beispiele namentlich die Häuser NC. 1, 166, 223, 7, 36, 207 und 242 an, die angeblich nicht einmal für das Vieh gut genug seien; als Beweis für die schlechten hygienischen Verhältnisse im Prager Ghetto wurde be- 340 28