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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1933-01-01 · 5 (1933) · page 317

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
5 (1933)
Date
1933-01-01
Page
– (sequence 317)
Language
German
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IRI
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genährt werde, die unter ihnen das Bewußtsein der Einheit (esprit de corps) wachhalte und sie von den Christen absondere. Mit dem Hinweis auf die bereits beim Wiener Kongreß im Artikel 16 der Deutschen Bundesakte zum Ausdruck gekommene Tendenz, die der Deutschen Bundesversammlung zur Pflicht machte, eine Reform der Judengesetze Deutschlands im Sinne der völligen Judenemanzipation zu erwägen, stimmte der Referent der bereits damals vorgebrachten Meinung zu, daß die den Juden zur Last gelegten Mängel der Mehrzahl nach ihrer langjährigen Unterdrückung entspringen; daher sei die Reform der Judengesetze schon sehr dringend. Böhm wagte zwar noch nicht, die volle Gleichberechtigung der Juden vorzuschlagen, aber seine Anträge waren nicht weit davon entfernt. Nach diesen Bemerkungen grundsätzlicher Art schritt der Referent an das eigentliche Gutachten, das er stilistisch nach der Reihenfolge der Paragraphen des Judenpatentes vom Jahre 1797 aufbaute, indem er zunächst ihren Wortlaut anführte und daran seine Bemerkungen und Verbesserungsvorschläge knüpfte. Im Rahmen dieser Studie können wir allerdings nur die wichtigeren Punkte des interessanten und umfassenden Böhmschen Referates näher berühren. Was die Religion anlangte, so war es vor allem die Frage der Einführung des Deutschen in die Synagogen, die den Referenten besonders anzog. Übereinstimmend mit den Äußerungen Beers und Hombergs betonte der Referent, die deutsche Sprache würde für Religion und Moral nützlich sein und selbst der Talmud gestatte sie. Die Mehrzahl der Juden verstünde nicht Hebräisch, könne nicht einmal Hebräisch lesen und schwatze daher bei den Gebeten oder schlafe. Den größten Gewinn versprach sich der Referent davon, daß durch Einführung des Deutschen die jüdischen Gebete von anstößigen Stellen gereinigt werden müßten, welche Verfluchungen der Feinde des Judentums enthielten und so die Kluft zwischen Juden und Christen vertieften, zumal solche Verfluchungen nurmehr historische Bedeutung hätten. Ebenso erachtete der Referent die Lehre vom Messias und von der Rückkehr nach Palästina vom Gesichtspunkt des Staates aus für anstößig, da sich die Juden so stets nur für Fremdlinge im Wirtsstaate halten, ohne Anhänglichkeit für ihn zu empfinden. Böhm empfahl darum, vorläufig nur die Volksgebete und die Predigt deutsch herauszugeben, und die Reform in dieser Richtung überhaupt nur allmählich durchzuführen. Auch die bisherige jüdische Art zu beten hielt der Referent für durchaus unzeitgemäß - sie sei eher geeignet Ärgernis zu erregen als zur Andacht zu stimmen, namentlich was die öffentlichen Lizitationen beim Ausheben und Einheben der Thora betreffe und das Geschrei der Sänger, das die allgemein verbreitete Redensart von der „Judenschule" verursacht habe. 11 323

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