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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1933-01-01 · 5 (1933) · page 313

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
5 (1933)
Date
1933-01-01
Page
– (sequence 313)
Language
German
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IRI
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Gleichgültigkeit in die Judenschaft trage. Diese Afterphilosophen unter den Juden - so eiferten die Oberjuristen - treten sogar öffentlich aus der jüdischen Religionsgemeinschaft aus, besuchen die Synagogen nicht, treten aber trotzdem nicht zu einer andern Kirche über und sind daher auch wahren Christen nicht sympathisch. Diese Leute im Auslande seien angeblich entschlossen, sich von der Judenschaft zu trennen und unter dem Namen „Puristen" eine gereinigte Naturreligion auf philosophischer Grundlage zu begründen. Da die preußische Regierung ihre Pläne ablehnte, hätten sie im Sinne, für sich eine neue besondere Synagoge zu gründen, wo deutsch gepredigt werden würde. Aber auch darin hätten die Regierungen bereits ihre eigentliche Absicht durchschaut, der alten mosaischen Religion eine deistische Form zu geben; deshalb sei von der preußischen Regierimg ihre neue Synagoge im Jahre 1816 gesperrt worden . Das Beispiel der Fremde wollten mm einige Wiener Juden nachahmen, eine deutsche Synagoge einrichten, somit den Deismus einführen und die mosaische Religion erschüttern. Einem Phantom, dem sogenannten „Zeitgeist" huldigend, mißachteten sie die religiösen Vorschriften, brächen durch Einführung des Deutschen das uralte Herkommen, das unter der Judenschaft der ganzen Welt beobachtet werde. Den Schluß ihres Protestes widmeten die Oberjuristen der eifrigen Verteidigung der hebräischen Sprache gegen die Einwendungen der Gegenpartei und forderten ihre Belassung in den Synagogen. Zweifellos hatten die Oberjuristen eine gute Taktik gegen die Reformpläne gewählt, indem sie diese Bestrebungen als Deismus und als Kundgebung religiöser Gleichgültigkeit bezeichneten, denn vor solchen Strömungen hatte die damalige Regierung große Angst. Von Beer war im Protest mit keinem Worte die Rede, aber es waren offenbar seine Vorschläge, gegen die sich die Vertreter des Rabbinismus wandten. Der Magistrat, dem das Gubernium dieses Memorial zur Äußerung zuwies, holte hiezu einerseits von Beer, anderseits auch von dem k. k. Schulrat und außerordentlichen Lehrer der jüdischen Religionsmoral Herz Homberg ein Gutachten ein, der fast gleichzeitig mit Beer eine Schrift über die religiöse Reform der Judenschaft an den Kaiser gerichtet und sich hiebei ebenfalls scharf gegen den schädlichen Einfluß der Rabbiner ausgesprochen hatte. Es kann also nicht wundernehmen, wenn die Urteile dieser beiden Repräsentanten der jüdischen Religionslehrerschaft auch diesmal entschieden gegen die Argumente der Prager Rabbiner ausfielen und diesen Sophistik vorwarfen; sie betonten neuerdings, die Einführung der deutschen Gebete sei zur Hebung des jüdischen Gottesdienstes schon deshalb notwendig geworden, da die Mehrzahl der Juden nicht Hebräisch könne und so nicht verstehe, was sie bete, und eine solche Einführimg sei auch nach dem Talmud nicht nur zulässig, sondern selbst im höchsten Grade er- 7 319

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