Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 5 (1933)
- Date
- 1933-01-01
- Page
- – (sequence 282)
- Language
- German
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und sachgemäße Lösung der Unterrichtsfragen, insbesondere auf die Heranbildung jüdischer Lehrer. Humane Gesinnung spricht aus dem, was sie über die Schonung des religiösen Empfindens der Juden zu sagen haben, wie sie das Verhalten von Lehrern und Schülern der christlichen Anstalten beeinflußt wissen wollen, die von jüdischen Kindern besucht werden. Von richtigem Verständnis des Seelenlebens zeugt Hatzfelds Warnung vor der Ausübung eines Zwanges hinsichtlich des Besuches christlicher Schulen durch Judenkinder. Auch was über den Universitätsbesuch gesagt wird, zeugt von weiterem Blick und freierer Gesinnung, ebenso die Bemerkung Kresels über den Verkehr von Juden und Christen, der gerade das für die Erreichung des gewünschten Zieles als förderlich erachtet, was die mährischen Kreise vermieden wissen wollen. Dem gleichen Geiste entspringt auch die kaiserliche Entschließung. Sie lautet : „Die angetragene Frist von drei Jahren, binnen welcher alle jüdische instrumente in der Landessprache verfaßt werden sollen, ist zu lang, mithin selbe auf zwei Jahre zu bestimmen. Die Errichtung der Schulen ist eingerathenermaßen einzuleiten und kann hiebey jenes, was diesfalls für N.-Österreich angeordnet, auch in Mähren angewendet werden. Es sind ferners die Juden zu verhalten, einige geschickte Leute von ihren Glaubensgenossen in die Normal- und Hauptschulen abzusenden, damit sie zu Lehrern und Schulmeistern gebildet werden mögen. Den Juden stehet zugleich allemal frey, ihre Kinder auch in die kristlichen Schulen zum Unterricht zu schicken. Die Frequentierung der höheren Schulen auf allen Erbländischen Universitäten ist der jüdischen Jugend allerdings zu erlauben, dergestalt jedoch, daß ihnen verboten seyn solle ausser dem Studium eine besondere Nahrung zu treiben. In allem übrigen beangenehme ich das Einrathen der Kanzley. Hatzfeld." Die Worte „dergestalt ... zu treiben" sind durchgestrichen; d. h. der Kaiser hat sie aus dem ihm vorgelegten Text der Resolution beseitigt, vermutlich, weil er die Sache für selbstverständlich hielt und das Verletzende in der ausdrücklichen Hervorhebung vermieden wissen wollte. Die Bemerkung Hatzfelds ist jedoch durchaus nicht so übervorsichtig, als es scheinen könnte. Hatten doch z. B. nach der Gründimg der Prager Universität so manche Fremde, deutsche Kaufleute, sich als Hörer eintragen lassen, um unter dem Schutze der Universitätsprivilegien ihre Geschäfte zu betreibeQ.122 Und es braucht nicht erst ausführlich erörtert zu werden, welcher Sturm sich erhoben hätte, wenn die jüdischen Studenten die Erlaubnis zum Aufenthalte in den ihnen sonst verschlossenen Städten zu geschäftlichen Zwecken mißbrauchten, wie schwer dadurch das ganze Bildungswerk gefährdet werden konnte. 57 287