Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1933-01-01 · 5 (1933) · page 278

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
5 (1933)
Date
1933-01-01
Page
– (sequence 278)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2644300-2644317--2246-2646591
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Daraus folgt, daß es nützlich sei, an Stelle des hebräisch-deutschen Jargons, dessen sich die Juden in der Absicht bedienen, um die Christen besser betrügen zu können (!), die Landessprachen zu setzen. Zur Durchführung sind drei Jahre erforderlich. In den größeren Gemeinden sind Schulen zu errichten, an denen zunächst christliche Lehrer unterrichten; doch sollen sich jüdische Schulaufseher überzeugen dürfen, daß keine Religion gelehrt werde. Unterrichtsgegenstände sollten Lesen, Schreiben, Rechnen sein. In kleinen Gemeinden seien die Judenkinder in die Trivialschulen der Christen aufzunehmen. Die Zulassung zu den höheren Studien macht Schwierigkeiten mit Rücksicht auf den Aufenthalt der jüdischen jungen Leute in Christenhäusern und infolge der Aufenthaltsverbote für Juden. Gegen die Pachtung von Grund und Boden und gegen die Frächtertätigkeit wird kein Einwand erhoben. In Bezug auf den Gewerbebetrieb seien zwei Drittel der Juden bloße Handelsleute und Pächter, das letzte Drittel zum Teil Hausierer, sogenannte Pinkler, und ihre Handlanger.120 Sie durchzögen die Ortschaften aber nicht so sehr um des Verkaufes ihrer Waren willen als wegen des Eintausches von Gold, Silber, Zinn, Messing, Kupfer, Eisen, Flachs, Hanf, Getreide, Häuten, Fellen, alten Kleidern u. dgl. Diese verkauften sie entweder mit Vorteil an die Christen oder mit mäßigem Gewinn an die jüdischen Großhändler; zum Teil seien sie Professionisten. Von den Kommerzialprofessionen haben sie sich das Gold- und Silberarbeiten, das Rohgerben und Ledern, dann das Kürschnerhandwerk, aus denen politischen (Polizeigewerben) aber das Fleischhacker-, Glaser-, Schneider-, Schuhmacher- und Seifensiedergewerbe, mithin die besten und vorteilhaftesten zu eigen gemacht. Die Weiber treiben auch Handel mit gangbaren Waren und dabei das Spitzenklöppeln und Strümpfestricken. „So haben die Juden mit dem Handwerksbetrieb ihre Nahrung so sehr vermehrt und ausgebreitet, daß zumal sie teils durch das Hausieren auf dem Land teils aber durch Treibung drei und viererlei Gewerbe die stärksten Nahrungszuflüsse an sich gezogen haben." Unter solchen Umständen hält die Landesstelle dafür, daß die Meinung des Kaisers „nur dahin gerichtet sei, daß die Juden zu denen Handwerken und Gewerben nur bei der Judenschaft, nicht aber auch bei anderen christlichen Gemeinden, am allerwenigsten aber in den königlichen Städten, wto sie niemals geduldet worden, nach erforderlich erwiesener Fähigkeit mithin praestitis praestandis zu Meistern zugelassen werden sollen. Zum Bürgereide in den Städten würden sie niemals zugelassen und als Hofbefreite würden sie nur zum Ruin des Gewerbes in den Städten beitragen, weil sie die Waren verfälschten und jedermann mit deren Anbringung zu hintergehen suchten." Der Gubernialbericht gibt damit genau die Gesinnung als städtischen zünftigen Handwerks wieder, wiederholt ohne Beweis die Anklagen, denen wir in Klinglers Büchlein „Über die Unnütz- und Schädlichkeit der Juden" begegnen, jene Anklagen, hinter denen sich die Furcht vor dem jüdischen Wettbewerbe birgt. Wolle man die Leibmaut abschaffen, so müsse man für die Entschädigung der jüdischen Pächter sorgen. In der Tracht bestehe kein Unterschied mehr, nur daß die verheirateten Juden ihrem Gesetz gemäß Bärte trügen. Die Weiber und Töchter der reichen Juden gingen gleich dem Adelstand einher. Mit der Bitte, der Kaiser möge auch auf den christlichen Gewerbestand Rücksicht nehmen, wenn es sich darum handle, die Juden emporzubringen, schließt das Schriftstück.121) 53 283

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.