Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 5 (1933)
- Date
- 1933-01-01
- Page
- – (sequence 275)
- Language
- German
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Reife entzogen und somit dem Staate schädlich gewesen und zu einer solchen Menge angewachsen ist, daß, sofern denen Heirathen und Besitznehmungen zeitliche Schranken nicht wären gesetzt worden, ein solches die Zahl der Christen, wenn nicht überstiegen, wenigstens adaequirt haben würde", eine Verwahrung im voraus gegen eine, übrigens gar nicht vorhandene Absicht, das Familiensystem etwa aufzuheben. Für Iglau ist es wahrscheinlich, daß die Juden selbst die ihnen gewährten Vorteile verkennen und die meisten der ihnen gebotenen Nahrungswege unbenützt lassen werden. Jedenfalls müßten sie durch ihre Rabbiner und Gemeindevoistände darüber aufgeklärt werden. Vor allem aber müßte der christlichen und jüdischen Jugend der Grundsatz der allgemeinen Menschenliebe besonders eingeschärft werden, um alle Religionsgehässigkeiten soviel als möglich zu beseitigen. Die Einführung der deutschen Sprache findet noch am meisten Zustimmung. Es wäre zu wünschen, meint Brünn, daß die in natürlichem Abgeschmack erzogene Nation ihre Muttersprache recht bald vergesse und dadurch in ein dem Staate nützliches Glied verwandelt werde. Auch erwartet man von den sprachlichen Bestimmungen einen wirklichen Erfolg, weil die Nullitätserklärung die Juden zur Erlernung der deutschen Sprache veranlassen werde. Ebenso begrüßen Ungarisch-Hradisch und Neustadt das Sprachengesetz. Hinsichtlich des Unterrichtes der Juden im Gewerbe und ihres Studiums werden Schwierigkeiten erhoben. Man fürchtet sich vor dem näheren Verkehr, vor dem engeren Beisammensein mit den Juden. Brünn hält die Heranziehung der jüdischen Jugend zu Studium und Handwerk für undurchführbar, weil Juden und Christen nicht zusammen wohnen dürfen. Speziell in Brünn durfte sich auf Grund alter, erst 1745 erneuerter Privilegien kein Jude über Nacht aufhalten. Der große Unternehmer Dobruska bedurfte einer besonderen landesherrlichen Bewilligung, die ihm mit Rücksicht auf seine Geschäfte erteilt wurde, sich in der Landeshauptstadt eine Wohnung zu nehmen. Keinem christlichen Bewohner oder Hauswirte könne man die Aufnahme eines studierenden Juden zumuten, von dem Verkehr der jüdischen mit der katholischen Jugend drohten die größten Gefahren für die katholische Religion. - Auch der Magistrat von Mährisch-Neustadt ist gegen die Zulassung der Juden zu höheren Studien. Er will auch, daß der Unterricht in der deutschen Sprache nach dem Normallehrplan den Juden gesondert erteilt werde. Der Eröffnung neuer Nahrungswege stellte sich das Brünner Gutachten in gleicher Weise am gehässigsten entgegen. Unmöglich erscheint es, „die Juden von dem ihnen so eigenen Wucher und betrügerischen Handel" durch anderweitige Beschäftigung abzubringen. „Das jüdische, in Bosheit tief eingesunkene Gemüt ist immer auf allerhand strafmäßigen Betrug 280 50