Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 5 (1933)
- Date
- 1933-01-01
- Page
- – (sequence 268)
- Language
- German
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der Ankauf des Hauses nur für den Fall zu gestatten sei, wenn in dem anno decretorio ein Jude in gedachter Stadt seßhaft war. Diese Worte sind durchgestrichen und statt ihrer steht links „mit dem weiteren beysatz, daß dem dominio vorbehalten bleibe, ob selbes ihm auch den erkauf eines Haußes gestatten, sofort für einen Schutzjuden annehmen wolle". Ja es wurde den Juden sogar die „Ansichbringung und Pachtung der Staatsgüter via licitationis" gestattet, also die Möglichkeit der Erwerbung wirklichen Grundbesitzes gewährt.101 Einzelheiten dieser Art - und sie ließen sich mehren - weisen unleugbar auf eine Besserimg der Lage der Juden hin, auf eine Erleichterung ihrer wirtschaftlichen Betätigung. Aber wie steht es mit der Rolle, die sie in der Gesamtwirtschaft des Landes spielen? Der Eindruck, den der wiederholt genannte Meermann von der Lage der Juden erhält, ist der, daß man ihnen in Böhmen drückende Abgaben abpreßt. „Die Folge davon ist ihr Wucher - 20 Prozent bis 12 Prozent würden als gering erscheinen - der bewirkt hat, daß fast alles Geld des Königreiches zugleich mit dem ganzen Handel in die Hände der Unterdrückten gefallen ist. Ihr Reichtum beträgt 60 Millionen (?!), ist also größer als der der holländischen Juden (48 Millionen). (Die Judenschaft selbst bekennt 1789 ihr Vermögen mit 11,037.035 fl. ein.102 Sie haben den Geldhandel monopolisiert. Die schlechte Wirtschaft des Adels hat trotz des guten Ertrages seiner Besitzungen zur Folge, daß man kaum noch unter demselben ein halbes Dutzend Familien findet, die von den überall sich eindringenden Juden ganz unabhängig geblieben sind; viele selbst von denjenigen Familien, die man noch zu den bemittelten zählt, seufzen unter diesem eisernen Joche. Es ist anzunehmen, daß Meermann seine Angaben auf die Mitteilungen der adeligen Beamten stützte, mit denen ihm sein eigener Stand Beziehungen ermöglichte. Auch andere zeitgenössische Darstellungen, wie die „Vollständige Beschreibung der königlichen Haupt- und Residenzstadt Prag usw." vom Jahre 1787 berichtet gleiches.103 Ebenso sprechen die „Beobachtungen in und über Prag, von einem reisenden Ausländer"104 - gleichfalls aus 1787 von dem Wucher der Juden. Der Verfasser findet (I, S. 103) eine der Ursachen seiner Fortdauer in dem zu niedrigen gesetzlichen Zinsfuß von 4 Prozent. Der christliche Kapitalist gebe also sein Geld zu 6 Prozent dem reichen Juden, der es dann unter allerhand Praktiken, bei denen er den Schein zu wahren suche, weiter verleihe. Wie viel von alledem vielleicht übertrieben sei, läßt sich ohne eingehende Nachforschung nicht feststellen. Jedenfalls weisen aber alle diese Nachrichten auf die Fortdauer jener Übelstände hin, wie sie uns im Anfange der Regierung Josefs II. begegnet sind. Es ist eben immöglich, 43 273