Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 5 (1933)
- Date
- 1933-01-01
- Page
- – (sequence 265)
- Language
- German
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sondern mehr noch des wachsenden Vertrauens der Judenschaft. Im ganzen hat man den Eindruck, daß man sich auf jüdischer wir auf christlicher Seite bemühte, den Absichten des Kaisers gerecht zu werden, daß sich die katholische Geistlichkeit hiebei wirkliche Verdienste erwarb. Es wäre vielleicht dankenswert, der Geschichte der jüdischen Volksschulen in den Landgemeinden näher zu treten, sowie die Wirkungen zu untersuchen, die die Toleranzverordnungen auf den Besuch der MitteJ- und Hochschulen seitens der jüdischen Jugend geübt haben.89 b. Wirtschaft Die Frage der wirtschaftlichen Auswirkung des Toleranzpatentes, welche von den neueröffneten Erwerbsmöglichkeiten von den Juden benützt wurden, verdient, Gegenstand einer gesonderten Darstellung zu werden. Freilich müßten ihr Einzeluntersuchungen vorausgehen, für die mancherlei Stoff in den Wiener Archiven zu finden ist; noch viel mehr dürfte in den Prager und Brünner Beständen sowie in denen der verschiedenen Landstädte vorhanden sein. Auch die Familiengeschichte könnte wertvolle Beiträge liefern. Damit würden Vorarbeiten für eine Wirtschaftsgeschichte geschaffen, wie sie Dr. Bernhard Heilig im Sinne hat und auch Dr. J. Prokes beabsichtigt.90 Was hier geboten wird, trägt durchaus den Charakter von Zufallsfunden, die ich nur als Kennzeichen der allgemeinen Stimmung betrachtet wissen möchte. So darf ich darauf hinweisen, daß den jüdischen Großkaufleuten gestattet wurde, auch in der Stadt Prag Wohnungen zu mieten und die Räumlichkeiten auch für ihre Warenlager zu verwenden. Doch war ihnen jeder Verkauf im kleinen oder der Betrieb solcher Gewerbe, die nach den bestehenden Ordnungen als Eingriff in die bürgerlichen Gewerbe angesehen werden könnten, strengstens untersagt. Der Zweck dieser Verordnung liegt klar zu Tage. Erleichterung, Hebung des Großhandels und zugleich Schutz der christlichen Kleinkaufleute vor dem jüdischen Wettbewerbe . Diese allgemeine Anordnung war die Folge eines Gesuches des jüdischen Landesprimators Joachim Popper, zur Betreibung seiner Großhandlungsgeschäfte mit seiner Familie in die Christenstadt übersiedeln zu dürfen.91 Der oben erwähnte Meermann weiß von hundert Familien zu berichten, die von dieser Erlaubnis Gebrauch gemacht hätten. Die Angabe trifft zu. Die Häuser- und Familientabelle der Königlichen Hauptstadt Prag von anno 1791 gibt die Zahl der Judenfamilien in der Altstadt mit 168, in der Neustadt mit 2 an.92 Gleichwohl standen weder das Gubernium 270 40