Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 5 (1933)
- Date
- 1933-01-01
- Page
- – (sequence 264)
- Language
- German
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befriedigend waren mir die deutlichen Begriffe, welche der Lehrer der Moral in mehr als einer Klasse und in jeder derselben nach den verschiedenen Fähigkeiten der Kinder ihnen von dem Wesen der Gesellschaft und anderen Gegenständen mitzuteilen wußte; jeder Schüler faßte ihn und jeder brannte vor Begierde, auf seine Fragen zu antworten. Geradezu darf ich es sagen, unter den besten Schulen in Holland findet sich nicht eine einzige, in welcher Kinder etwa von sechs bis zwölf Jahren auf eine solche Art von den Rechten und Pflichten des Menschen, aus den reinsten Grundsätzen entlehnt und durch höchst glücklich gewählte Beispiele erläutert, unterrichtet werden, als man hier in dem katholischen Böhmen die Söhne und Töchter der ärmsten Israeliten unterrichtet.4' Meermann lobt auch das Schulgebäude und wir erfahren, daß die Gemeinde die Kosten der ganzen Einrichtung, welche jährlich 2500 fl. ausmachen, selbst trägt. Auch sonst weiß der Reisende vom Bildungsstreben der Juden zu berichten. Er beschreibt (S. 21) die Lesezimmer der Bibliothek: „selbst Juden haben seit einiger Zeit angefangen, sie zu besuchen." Aus dem Buche Böhms erfahren wir auch mancherlei über die Landschulen.86 Mit dem Landesprimator Popper und den Deputierten wurde ein Übereinkommen getroffen, daß an den Orten, wo die Gemeinde nicht gleich neue Schulgebäude errichten könnte, der Deutschunterricht den Judenkindern in dem jüdischen Schulgebäude erteilt werde, u. zw. in der Zeit, wo kein Religionsunterricht stattfinde. Die größeren Gemeinden sollten eigene Schulen bauen, die mittleren sich mit den Christenlehrern ins Einvernehmen setzen, daß sie nach Beendigung des Unterrichts der Christenkinder den der jüdischen übernähmen. Einzelne Familien sollten sich mit Hauslehrern behelfen oder ihre Kinder in die öffentlichen Schulen schicken. Für Lehrer wurde im Sinne der kaiserlichen Verordnungen gesorgt; an einigen jüdischen Schulen gab es christliche Lehrer (s. o.); an vielen Orten baten die Juden selbst die christlichen Seelsorger, die Aufsicht zu übernehmen. Böhm erwähnt Schulen in Teplitz, Jungbunzlau, Bidschow, Hofitz, Plan, Polna, Kolin, Portscha und Lichtenstadt und rühmt die Fortschritte an ihnen, will zeigen „wie sehr sich diese Nation (die Juden) allseitig beeiferte, der allerhöchsten Erwartung desfalls zu entsprechen". Er lobt den Eifer und die Fürsorge der Judenältesten und des Oberrabbiners für die Förderung des Schulbesuches.87 Die Fortschritte sind wirklich ganz auffällig. Im Jahre 1787 betrug die Zahl der jüdischen Trivialschulen auf dem Lande 25; der Schulbesuch hatte sich von einem Kurse (Halbjahr) zum andern von 445 auf 559, d. i. um etwas mehr als 25 Prozent gesteigert. In 56 Ortschaften, z. B. Rakonitz, Tabor, Trautenau, schickten die Juden ihre Kinder in Christenschulen. Hier ist die Zunahme noch auffälliger: 278 gegen 106, das sind mehr als 162 Prozent.88 Darin wird man nicht bloß eine Wirkung der Strenge sehen dürfen, mit der auf den Schulbesuch gedrungen wurde, 39 269