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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1933-01-01 · 5 (1933) · page 258

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
5 (1933)
Date
1933-01-01
Page
– (sequence 258)
Language
German
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IRI
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fuhr hindert. Dagegen bedroht das Kapital der reichen Juden den Grundbesitz als Pacht- und Leihkapital, als Vorschuß auf das schwerste und ebenso gefährdet es das Handwerk, wo es sich dieses durch den Verlag unterwirft. Die Vorteile, die es bietet, sind nur scheinbar. Diese im Wesen des Geldes liegenden Gefahren werden erhöht durch die Eigenart der Juden. Feinde körperlicher Anstrengung, sind die Juden geistig geschult durch den Zwang, dauernde Schwierigkeiten zu überwinden. Dazu kommt ihre ganze Denkungsart. Arco ist überzeugt, daß die Bosheit (malizia) der Rabbinen die ursprüngliche Religion verfälscht hat. Das ist die typische Stellungnahme eines großen Teiles der Aufklärung gegen Theologie und Theologen überhaupt, jene Gesinnung, die überall „Priestertrug" erblickt. - Der augenblicklich geltende, die Juden wirklich beeinflussende Glaube - er gebraucht das Wort „attual" - verstärkt in ihnen die natürliche Selbstsucht der Menschen, lehrt sie, die Christen zu hassen, deren Besitz als ihr Eigentum zu betrachten. Christen gegenüber sind Lüge, Täuschung, Betrug erlaubt. So ist die jüdische Handelstätigkeit schädlich. Das Ghetto ist ein Fremdkörper im Staate, ja es steht ihm feindlich gegenüber. Die Juden sind ein unsoziales Element. Freilich verschließt sich Arco nicht der Erkenntnis, daß auch die Bedingungen, unter denen die Aufnahme der Juden erfolgt ist, die Bedingungen, unter denen sie leben, sehr viel dazu beitragen, die Übelstände zu vergrößern; die Schranken, in die man sie einengt, aber auch manche Privilegien, die man ihnen erteilt hat, sind gleich schädlich. Wie ist die Heilung zu finden? Gegen die Austreibung der Juden spricht die Menschlichkeit; aber ebenso auch das Staatsinteresse, weil die Judenschaft wirtschaftlich sehr enge mit der übrigen Bevölkerung verknüpft ist. Besonders in Böhmen, wo die Juden, in alle Arten der Tätigkeit eingedrungen, nicht nur wohlhabend, sondern sogar reich sind, wäre ihre Vertreibung nicht nur gefährlich, sondern geradezu unmöglich. Josefs Weisheit hat die Lösung gefunden. Die kaiserliche Verordnung betreffs der Juden, wie sie in Prag verkündigt worden, wird begeistert gepriesen. Von den Bildungsmaßnahmen erwartet Arco eine notwendigerweise eintretende glückliche und vorteilhafte Umwälzung im Wesen des jüdischen Volkes. „Die Erkenntnis des Wahren wird in ihren Herzen jene Pläne und nützlichen Absichten erwachsen lassen, durch deren Verwirklichung sie zugleich das eigene Wohl und das der andern werden fördern wollen." Im einzelnen zeigt er dann - das Ganze könnte ein Motivenbericht für die Hofdekrete sein - wie auch die Erweiterung der Nahrungswege und gerade die Bestimmungen, die sich auf die Heranziehung der Juden zum Ackerbau und Handwerk beziehen, dazu führen werden, die Schranken zwischen ihnen und der übrigen Bevölkerung Böhmens niederzulegen, sie zu nützlichen Gliedern der Gesamtwirtschaft zu machen. Freilich ist ihm das Edikt unvollständig. Noch fehlt die Abschaffung der inneren Gerichtsbarkeit unter den Juden, die ebenso frommen würde wie auch die Abschaffung ihrer Sonderstatuten und ihre Unterwerfung unter das allgemeine Gesetz. Arcos Schrift rief eine sehr ausführliche Erwiderung hervor: Verteidigung gegen die Angriffe, die in dem Buche „Vom Einflüsse des Ghettos im Staate'6 gegen das jüdische Volk erhoben worden sind.64 Der ungenannte Verfasser kennt die Literatur über die Judenfrage viel genauer, ist viel gründlicher als sein Gegner; er kennt auch das hebräische Schrifttum. In einer „philosophischen" Einleitung behandelt er die Toleranz im allgemeinen in Bezug auf das Wesen des moralischen Menschen und ihre Beziehungen zur Theologie und zu Staat und Gesellschaft, dies unter Berufung auf Rousseaus contrat social. Dann sucht er die Anklagen zu widerlegen, die wider die jüdische Religion, gegen Talmud und rabbinische Gesetze erhoben werden. Er wendet 33 263

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