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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1933-01-01 · 5 (1933) · page 241

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
5 (1933)
Date
1933-01-01
Page
– (sequence 241)
Language
German
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IRI
…/2644300-2644317--2209-2646554
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natürlich auch möglich, daß Klinglers Schrift von dem widerstrebenden Teile der hohen böhmischen Beamtenschaft veranlaßt oder doch beeinflußt wurde, aber auch, daß nur der Ausdruck gleicher, weitverbreiteter Anschauungen, gleiche Beurteilung der Tatsachen vorliegt. Der Gedanke, daß der geistige und moralische Zustand der Juden einer Besserung bedürfe, daß ihre gegenwärtige wirtschaftliche Betätigung der Gesamtheit schade und in andere, dem Staate und der Gesellschaft nützlichere Bahnen gelenkt werden müsse, wird ja auch von ihren Verteidigern anerkannt, bildet schließlich den Ausgangspunkt für die gesamte Tätigkeit des Kaisers auf diesem Gebiete. Der Unterschied liegt in dem Tone, in dem die Tatsachen behandelt werden, in der Kritik an ihnen, an dem, was als Wirklichkeit vorgebracht wird. Und da entscheidet schließlich die Gesinnung. Ob nun der vermutete Zusammenhang vorhanden sei oder nicht, mag Klinglers Anklageschrift schon darum etwas ausführlicher behandelt werden , weil erst die Kenntnis der Gegenkräfte die Schwierigkeiten erkennen läßt, die die Duldungspolitik Josefs zu überwinden hatte. Zu gewissen Zugeständnissen ist schließlich auch Klingler genötigt. „Religionshaß" liegt dem Zeitalter der Aufklärung nicht — und so redet er seinen Gegner an: „Wie können Sie in einem enthusiastischen Tone von Tolleranz der Juden reden? Da dieses Wort heutzutage nur auf die Religion paßt, und niemand den Jud wegen seiner Religion, da nichts von selber zu befürchten ist, anfeindet, sondern weil er ein durchtriebener Schurke ist." Das sagt derselbe Mann, der in seiner Übersicht der Geschichte der Juden in Böhmen kritiklos alle aus Glaubensfanatismus gegen die Juden erhobenen Anschuldigungen wiedergibt, der die albernsten Gründe für die Blutbeschuldigung vorbringt. Die Juden brauchen das Christenblut 1. zur Stillung der Blutung nach der Beschneidung, 2. zur zauberischen Hervorrufung der Freundschaft, 3. gegen den Blutgang der Frauen; und endlich ist ein allgemeines, sehr geheimes Gesetz, beim Gottesdienst etwas Christenblut zu opfern (!). Für den Mann bezeichnend ist die Art, wie er sich zu decken sucht. Nachdem er die Beschuldigungen als Tatsachen behandelt hat, merkt er an: „Allein nicht allemahl ist wahr, was die Verbrecher aussagen." Er wiederholt ohne jede Einschränkung den Vorwurf, daß der Talmud befehle, alles zu verfolgen, was nicht Jude ist. Folgerichtigkeit ist nicht seine Sache. Er erklärt, die Juden seien vom Militär-, Zivildienst und Feldbau wie billig ausgeschlossen . Die Handarbeit und Wissenschaft betreiben sie schlecht, dem Handel sind sie schädlich. Wegen „Feigheit und Treulosigkeit" sind die Juden zum Militär nicht zugelassen und so sind sie hinsichtlich der Population unnütz, weil sie keine Soldaten und Fremdlinge sind. Die Unbrauchbarkeit der Juden für den Zivildienst folgert er daraus, daß sie zu keinem zugelassen werden (!), und 246 16

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