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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1933-01-01 · 5 (1933) · page 238

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
5 (1933)
Date
1933-01-01
Page
– (sequence 238)
Language
German
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IRI
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chenschule gegründet worden. 1776 war an das böhmische Gubernium der Auftrag ergangen, in diesem Lande israelitische Schulen zu begründen, allerdings zunächst ohne Wirkung (s.u.). Die Tätigkeit Carl Heinrich Seibts gewann auch Juden für die Beschäftigung mit deutscher Sprache und Literatur. Für das Leben kamen vor allem die Heilkunde und die mit ihr verwandten Berufe in Betracht. Am 8. Dezember 1753 erging eine Verordnung, die Praxis der jüdischen Mediziner, Chirurgen, Apotheker, Bader und Hebammen auf ihre Glaubensgenossen zu beschränken und bei den Christen einzustellen. Am 22. Mai 1773 gestattete eine Hofverordnung den jüdischen Medicinae Doktoren, auch Christen zu behandeln. Wolf27 erwähnt einen Dr. Meschullan Bondi, ferner waren in Theresianischer und Josefmischer Zeit in Prag der zu Halle promovierte, 1763 verstorbene Dr. Abraham Kisch und Jonas Jeitteles tätig, der sich den Doktorhut ebenfalls in Halle geholt hatte (1755) und bis 1808 wirkte.28 Jüdische Chirurgen durften Christen nur dann behandeln, wenn kein christlicher Berufsgenosse im Orte vorhanden war, und nach einer Verordnung vom 31. Mai 1777 hatten sie zu schwören, daß sie die Medikamente von christlichen Apothekern würden machen lassen. Erst das Hofdekret vom 24. Jänner 1785 gewährte den bestätigten Wundärzten die freie Ausübung ihrer Kirnst unter Juden und Christen. Jedenfalls studierten in den Siebzigerjahren mehrere Juden an der Prager Universität die Chirurgie. Den Beweis dafür liefert die Nota des b.-ö. Obristen Grafen von Blümegen vom 9. Dezember 1777, welche die zu Prag aus Anlaß einiger zwischen den christlichen und jüdischen Studiosis chirurgiae entstandenen Zwistigkeiten angesponnene Schlägerei und Unruhe betrifft.29 Auch sonst waren die christlichen Studenten nicht sehr judenfreundlich, so daß ein Verbot Maria Theresias sich gegen die Mißhandlung der Juden durch Pöbel und Studenten richten mußte .30 B. Das böhmische Toleranzdekret 1. Vom geistigen Kampfe in Böhmen Die Lage, die Kaiser Josef II. bei seinem Regierungsantritte vorfand, bot ungeachtet mancher Umstände, die, wie eben gezeigt worden ist, die Durchführung seiner Absichten in der Judenfrage erleichtern konnten, doch auch in den Sudetenländern, zunächst in Böhmen, genug Schwierigkeiten. Schon seine ersten Maßnahmen erregten die Gemüter in hohem Grade und brachten eine Broschürenflut hervor, aus der sich manches bis auf unsere Tage erhalten hat. Die öffentliche Meinung nahm für und 13 243

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