Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 5 (1933)
- Date
- 1933-01-01
- Page
- – (sequence 143)
- Language
- German
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hätten von der Obrigkeit nicht aufgenommen, geschweige denn ohne Wissen und Willen des Königs mit Privilegien begabt werden sollen, wie dies eben Rudolf Freiherr von Teuffenbach ohne Zustimmung des Kaisers getan hatte. Darum sei die gegenwärtige Jitschiner Obrigkeit nicht verpflichtet, mehr Juden zu dulden, als im J. 1618 in Jitschin ansässig waren. Die Reichweite dieser Entscheidung für die Juden ließ sich kaum absehen. Die Juden hatten ihr Privilegium4 eingebüßt, ihre Hauptstütze in den Streitigkeiten mit der Stadt. Für die Stadt aber bedeutete die statthalterische Entscheidung das Signal zu neuen, noch heftigeren und häufigeren Angriffen und Übergriffen gegen die Juden. Auf diese Entscheidimg gestützt, arbeitete seitdem die Stadt darauf hin, die Juden aus der Stadt ganz und gar zu verdrängen. Doch die Juden wehrten sich mit Zähigkeit und ihr Kampf mit der Stadt dauerte noch einige Jahrzehnte lang unvermindert fort. Es ist etwas Imponierendes um diesen hartnäckigen Kampf der Handvoll Jitschiner Juden gegen die Übermacht, die sie haßte und sie am liebsten ausgerottet hätte und ihrer doch um ihrer Steuerkraft willen bedurfte. *l Die Zahl der Jitschiner Juden im ersten Viertel des achtzehnten Jahrhunderts ergibt sich aus der im Jahre 1721 von der Visitationskommission verfaßten Konskription.18 Nach dieser Konskription besaßen damals die Juden in Jitschin sieben Häuser. Im ersten Hause wohnte Löbel Josel, 59 Jahre alt, in Prag gebürtig; er wohnte in Jitschin seit 1687. Er zählte sich zum Stamme Israel; seine Frau Salomena stammte aus Jitschin und war 30 Jahre alt. Sie hatten folgende Kinder: einen Sohn Moses, 23 Jahre alt, einen Sohn Härschel, 22 Jahre alt, eine achtzehnjährige Tochter Susanna und eine sechzehnjährige Tochter Framith. Löbel Josel handelte in seinem Hause und in einem am Ringplatze gemieteten Gewölbe mit Krämerware (Leinwand,. Tücheln, Strümpfen) und zahlte von seinem Geschäft an Jahreszins 13 fl., der Herrschaft an Schutzgeld 17 fl. und leistete der Stadt einen Kontributionsbeitrag von monatlichen 10 kr. Er verdiente neben seinem Lebensunterhalt angeblich jährlich 150 fl. Mit ihm zusammen wohnte sein dreiunddreißigjähriger Sohn Israel Josel, in Jitschin geboren, zur Zeit der Konskription vier Jahre verheiratet mit einer gewissen Bella aus Benatek. Er betrieb die Kramerei in einem von Matth. Grall am Ringplatz gemieteten Laden, für den er 14 fl. Jahreszins zahlte; der Obrigkeit entrichtete er ein jährliches Schutzgeld von 15 fl. und erzielte einen Jahres verdienst von 50 fl. Dem Vater half im Geschäft sein fünfundzwanzigjähriger ledi- 146 10