Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 5 (1933)
- Date
- 1933-01-01
- Page
- – (sequence 140)
- Language
- German
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und fand bei ihm tatkräftige Unterstützung; dieser erteilte der Gemeinde den Auftrag, ihm den erbetenen Platz zu verkaufen. Die Jitschiner Gemeinde beriet über Lazars Gesuch am 22. März 1697 und beschied es abschlägig; gleichzeitig stellte sie an die Obrigkeit das Ersuchen, den Juden nicht in die Stadt zu lassen. Doch am 15. Juli 1698 gab der Graf dem Primator den strengen Befehl, er wünsche, daß die Brandstelle dem Lazar verkauft werde. Der Nachbar der Müllerschen Brandstelle, Matatko, führte zwar dagegen herzbewegenden Protest, aber da er gegen die Obrigkeit nichts ausrichten konnte, ließ er sich vernehmen, er wolle lieber alles Gott befehlen und sein Haus verkaufen, als solche abscheuliche Erzfeinde der Christen zu Nachbarn haben. Der Jude Lazar bekam dann wirklich die Brandstätte und erbaute darauf zu nicht geringem Ärgernis der Jitschiner Bevölkerung ein Haus.13 Im Juli des gleichen Jahres (1698) ereignete sich ein Zwischenfall, der viel dazu beitrug, die Stimmung der Christen gegenüber den Juden zu verschlechtern. Der Goldschmiedsohn Jomet riß aus Übermut den Spitalsammelkasten herab und schleuderte ihn verächtlich zu Boden. Die Empörung in der Stadt war begreiflich und der Stadtrat begann den Fall streng zu untersuchen. Beim Zeugen verhör stellte sich heraus, daß die Juden den Zeugen Schweigegeld angeboten hatten. So sagten Anna Melichar und Katharina Nemec aus, am Sonntag sei die Jitschiner Goldschmiedin, des Übeltäters Mutter, gekommen und am Montag eine Jüdin aus Cejkowitz und hätten gesagt: „Wenn gestern nicht Euer Sonntag gewesen wäre, so hätten ihnen unsere Juden etwas gegeben, damit sie schweigen." Die Sache fiel jedoch für den Juden Goldschmied gut aus; er bezahlte für sein übermütiges Söhnlein zwei Schock Groschen zugunsten der Marienkirche. Im Jahre 1699 entbrannte unter den Juden ein Streit bezüglich der Entrichtung der Steuer und des Schutzgeldes an die Obrigkeit. Der Hauptmann lud sie darum in die herrschaftliche Kanzlei vor, aber es erschienen nur vier Juden: David Epstein, Benjamin Soboth, Lazar Kolin und Abraham Goldschmied. Der Streit wurde folgendermaßen beigelegt: Jeder Jude sollte von seiner Handelstätigkeit unter der Strafe der Ausweisung und der zehnfachen Buße von jedem Gulden 3 kr. in eine eigens dazu beschaffte Kasse entrichten; zur Kasse gehörten vier Schlüssel; die Kasse selbst war bei David Epstein verwahrt, die Schlüssel bei andern Juden. Von diesem Gelde sollte nur die kaiserliche Kontribution berichtigt werden, nicht aber auch das obrigkeitliche Schutzgeld, wie dies Lazar Kolin gefordert hatte; dieses sollte von jeder Hantierung bezahlt werden. Würde ein Jude einer unwahren Fatierung überwiesen, so sollte er das Zehnfache der verheimlichten Summe in die herrschaftlichen Ren- 7 143