Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 5 (1933)
- Date
- 1933-01-01
- Page
- – (sequence 117)
- Language
- German
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alters Zeiten nicht gebräuchig gewesen, daß beim Absterben eines Ober Rabbiners bald darauf ein anderer eingesetzt worden war, sondern jedesmal viele Jahre zugewartet worden ist, in mittelst aber von den hier befindlichen jüdischen Gelehrten versehen worden, welches annoch ad interim geschehen kann". Die Deputierten und Beisitzer, infolge des Kammerschreibens dringend nach Prag berufen, beschlossen der böhmischen Kammer drei Prager Juden als Landesoberrabbiner in Vorschlag zu bringen: 1. R. Isak Wedeies oder Spira, der uns bereits anläßlich seiner im Juli 1698 gehaltenen Predigt als Enkel des Landrabbiners Wolf Wedeies begegnet ist. 2. R. Jonathan Eibenschütz,*9 Oberpredikant der Prager Judenschaft, Schwiegersohn des erstgenannten R. Isak Wedeies. 3. R. Samuel Levi Lichtenstadt70 oder Wedeies, Sohn des Salomon und der Schifra, der zweiten Frau David Oppenheims, ein Enkel des Landesprimators Abraham Aron Lichtenstadts und des Landrabbiners Wolf Wedeies. Außerdem kamen noch in Betracht: R. BaruchAusterlitzS1 Rabbiner in Kolin, und R. Abraham Katz Popper,12 Leitmeritzer Kreisrabbiner, mit dem Sitze in Teplitz. Die Deputierten begünstigten am meisten die Wahl des Jonathan Eibenschütz, mit dem auch schon der Landesprimator Hirsch Kalmus Lichtenstadt73 und der Sollizitator Benjamin Günzburg über die Bedingungen der Übernahme verhandelten. Vermutlich hatte jedoch Eibenschütz wenig Aussicht bei der böhmischen Kammer durchzudringen, weswegen der Primator überhaupt gegen jede Wahl eines Landrabbiners Stellung nahm und in diesem Sinne die böhmische Kammer zu beeinflussen trachtete. In der am 4. und 5. März 1737 abgehaltenen Beratung über die Landrabbinerfrage kam es nun zur Spaltung innerhalb der Landesjudenschaft. Über die vorhandenen Gegensätze unterrichtet uns ein Protokoll dieser Beratung, worin der Standpunkt jedes einzelnen genau verzeichnet ist. Die Wahlgegner führen als Grund ihrer Opposition an: es sei jetzt eine Zeit der Geldknappheit, die durch die dreißigtausend Reichstaler betragenden Schulden der Landeskassa verschärft sei; man müsse daher mit der Ausgabe des Rabbinergehaltes, das hundert Reichstaler jährlich betrage, sparen, zumal der Landrabbiner außerdem den Privatleuten noch viel Kosten verursache. Aus diesem Grunde zögere auch die Prager Judenschaft mit der Aufnahme eines Oberrabbiners. Die fast in allen Kreisen angestellten Kreisrabbiner sollten auch das Landrabbinat versehen. Es sei übrigens ein alter Brauch, nach dem Tode des Oberrabbiners mit der Wiederbesetzung ein Jahr lang zu warten. Dagegen vertraten die Wahlanhänger den Standpunkt: Der bereits gefaßte Beschluß der Wahl eines Landoberrabbiners müsse durchgeführt werden. 120 42