Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 5 (1933)
- Date
- 1933-01-01
- Page
- – (sequence 100)
- Language
- German
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c. Abraham Broda alleiniger Oberrabbiner der Prager Judenschaft Infolge der Wahl durch die Judenältesten und der kaiserlichen Bestätigung war Abraham Broda der zweite Oberrabbiner der Prager Judenschaft, dessen Hauptaufgabe die Unterweisung der Lehrer und Schüler an den Prager Talmudhochschulen bildete. Nebstdem entschied er auch in religiösen Fragen und war bei Abwesenheit des ersten Oberrabbiners dessen Stellvertreter. Er führte zwar den Titel und hatte auch die Befugnisse und die Machtvollkommenheit eines Oberrabbiners, nahm jedoch niemals die Ehrenstellung eines wirklichen Oberrabbiners in Prag ein. Durch Fleiß und völlige Hingabe an sein Amt erwarb er sich die Achtung fast aller Prager Juden und wäre infolge seiner Gelehrsamkeit und seiner persönlichen Vorzüge und Fähigkeiten befähigt gewesen, die Stelle eines ersten Oberrabbiners in Prag zu bekleiden. Damals jedoch kam es in Prag mehr auf die Beziehungen zu den einflußreichen Personen und zu den Parteien an, wie sich dies bei R. Gabriel Elkesch (oder Eskeles) zeigte. Die wiederholt vorgenommenen Neuwahlen des Prager Vorstandes brachten auch die anderen, ihm von früher nicht wohlgesinnten Parteien ans Ruder, so daß Abraham Broda um seine bisherige Stellung zu kämpfen und manche Widerwärtigkeiten zu bestehen hatte. Nach der Abreise R. Gabriels versah Abraham Broda alle Amtsgeschäfte des Oberrabbiners, und die Ältesten beschlossen, entsprechend dem Kammerdekrete vom 25. Jänner 1694, ihm alle Akzidentien des Oberrabbiners zu überlassen. Chaim Toders, der Broda wegen R. Gabriel nicht wohlgesinnt war, nahm diesen Beschluß zum Anlaß, um im Dezember 1695, als er Monatshalter war, gegen Broda zu demonstrieren. Er befahl dem Schulklopfer Koppel Brandeis, die eingelaufenen Akzidentien nicht Broda, sondern ihm abzuliefern. Als der Schulklopfer, entgegen diesem Befehle, sie dem Rabbiner ausfolgte, ließ Toders ihn durch das Gericht arretieren. Toders, deswegen von den Ältesten am 20. Dezember 1695 bei der böhmischen Kammer angeklagt, verantwortete sich dahin, er habe, da in der laufenden Woche sehr viel Akzidentien eingekommen seien, einen Teil für die leere Gemeindekassa retten wollen. Um jeden Zweifel wegen der Zuteilung der Akzidentien auszuschalten, gab die böhmische Kammer am 6. Oktober 1696 dem Altstädter Richter und dem Raitdiener Andreas Opitz den Auftrag, den Ältesten der Prager Judenschaft aufzuerlegen, alle Akzidentien dem Abraham Broda zu geben, solange er alleiniger Rabbiner bleibe; Toders aber sei wegen seines eigenmächtigen Handelns zu bestrafen. (Vgl. Beil. X.) Chaim Toders hatte den Prager Judenältesten auch schon früher viel 25 103