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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1933-01-01 · 5 (1933) · page 97

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
5 (1933)
Date
1933-01-01
Page
– (sequence 97)
Language
German
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Er übte nicht nur seine Lehrtätigkeit aus, sondern versah auch inzwischen die Funktionen, die dem ersten Oberrabbiner vorbehalten waren. Wie überstürzt die Übersiedlung Abraham Brodas vor sich ging, geht schon daraus hervor, daß er diese ohne die zur Ausreise nötige Bewilligung des Raudnitzer Schutzherrn Dom. Andreas Reichsgraf von Kaunitz unternahm . Allerdings ließ ihn deswegen Graf Kaunitz durch den Magistrat der Prager Altstadt inhaftieren und wurde erst nach Bürgschaftleistung von vier Prager Juden aus dem Arreste entlassen (am 22. Jänner 1694).86 Doch erst am 24. Feber 1694 entließ ihn Graf Kaunitz aus seiner Untertänigkeit und gab die gestellte Kaution frei. Brodas vorzeitiger Amtsantritt hatte auch den Nachteil, daß er längere Zeit ohne Gehalt und Einkommen in Prag leben mußte, da die Ältesten nicht befugt waren, ohne Bewilligung der böhmischen Kammer über Gemeindegelder zu verfügen. Wohl bemühten sich die Ältesten diesen Übelstand abzustellen. Sie berichteten am 17. Dezember 1693 der böhmischen Kammer, daß R. Gabriel aus Polen noch nicht erschienen sei, dagegen versehe Abraham Broda „fleißig" beide Stellen. Trotzdem könne er seine ordentliche Besoldung von 3 fl. wöchentlich und die ihm in Vertretung des ersten Oberrabbiners von den Ehepakten gebührenden Akzidentien nicht erhalten und müsse von seinen Ersparnissen leben. Dies wiederholten die Ältesten am 19. Jänner 1694. Jedoch erst am 25. Jänner 1694 trug die böhmische Kammer dem „teutschen Buchhalter" (Rentmeister) Andreas Opitz auf, jedem der beiden Rabbiner einen Wochenlohn von 3 fl. und den gleichen Anteil an den Akzidentien gegen Quittung auszuzahlen, u. zw. dem R. Gabriel von der Zeit seiner Ankunft, da er von der Konfirmation an keine Funktionen versehen habe, dem Abraham Broda aber von der Zeit seiner Konfirmation an. Bis zur Ankunft R. Gabriels seien Broda auch alle Akzidentien auszuzahlen, weil er bis zu dieser Zeit beide Rabbiner-Stellen allein versehen habe. Der Amtsantritt R. Gabriels fand unter keinen günstigen Verhältnissen statt. Seit Monaten von Prag fernegehalten, wandert er in der Fremde umher; als er endlich Mitte Jänner 1694 in Prag anlangte, fand er fast nur Gegner vor. Die Wedeles-Anhänger waren natürlich im vorhinein gegen ihn; die Partei des Abraham Broda trat ausschließlich für dessen ungeschmälerte Rechte ein, die vielfach den Interessen des Oberrabbiners zuwiderliefen. Seine geringe Anhängerschar bestand hauptsächlich in der Person des Joachim Toders, der aber infolge seiner Gegnerschaft mit dem einflußreichen Samuel Isak Taussig-Sachsel nicht mehr viel zu sagen hatte. Hiezu kamen noch die Gegensätze der beiden Rabbiner, die bei der Auszahlung der Akzidentien durch die Engherzigkeit der böhmischen Kammer erst recht zu Tage traten. 100 22

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