Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 5 (1933)
- Date
- 1933-01-01
- Page
- – (sequence 86)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2644300-2644317--2054-2646399- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
nen Gunsten abgegebene Gutachten des Prager Teilvorstandes, natürlich ohne Erfolg. Die Behörden waren froh, den seit Jahren um das Landrabbinat wogenden Kampf durch die Teilung aus der Welt geschafft zu haben. Das Landrabbinat blieb von nun ab bis zum Ableben der beiden Landrabbiner geteilt. Abraham Broda übernahm bald das Rabbinat der Judengemeinde in Raudnitz und vermehrte auch dort durch seine Lehrtätigkeit an der von ihm gegründeten Talmudschule den Ruhm seines Namens .20 Er erfreute sich dort wieder der Gewogenheit des Primators und der Deputierten der Landesjudenschaft. Aus der Anklageschrift im großen Prozesse gegen Abraham Aron Lichtenstadt wissen wir, daß die Landesjudenschaft seine Talmudschule in Raudnitz durch Geldbeiträge förderte und daß Abraham Aron zur Verheiratung von Brodas Schwester 30 fl. beisteuerte.21 Wenn auch dem Landrabbiner Abraham Broda ohne sein Wissen und gegen seinen Willen die Hälfte des Landrabbinates abgenommen wurde, war doch der um das Landrabbinat geführte Kampf nicht ohne zukünftige Vorteile für ihn. Dieser Kampf mit seinen Winkelzügen lieferte den Gegnern des Wolf Wedeies eine scharfe Waffe, die sie gelegentlich der Besetzung des Prager Oberrabbinates mit Erfolg verwerteten. Hierüber ist nunmehr zu berichten. II. DAS PRAGER OBERRABBINAT GEGEN ENDE DES SIEBZEHNTEN JAHRHUNDERTS a. Die Wahl von zwei Oberrabbinern Wie schon anläßlich der Besetzung des böhmischen Landrabbinates hervorging, war die Prager Judenschaft am Beginne des letzten Jahrzehnts des siebzehnten Jahrhunderts in Parteien und Gruppen zerklüftet, die sich einander heftig befehdeten und selbst vor Denuntiationen bei den Ämtern und Behörden nicht zurückschreckten, wenn es galt, dem Gegner zu schaden. Der äußere Druck gegen die Judenschaft des Prager Ghettos wurde damals immer stärker; dies wirkte sich innerhalb dieses Ghettos aus durch zunehmenden Streit und Hader. Sicherlich hätte ein Oberrabbiner infolge seines Amtes und seiner persönlichen Autorität bedeutend zur Beruhigung der Gegensätze beitragen können. Das Prager Oberrabbinat war jedoch seit dem Tode des R. Simon Spira-Wedeles (i. J. 1679) nicht besetzt worden. Dessen Sohn R. Wolf Wedeies war nur Stellvertreter des Oberrabbiners; als solcher hatte er hauptsächlich die obligaten zwei Predigten im Jahre abzuhalten und Trauungen zu 11 89