Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 5 (1933)
- Date
- 1933-01-01
- Page
- – (sequence 81)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2644300-2644317--2049-2646394- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
genannt), trat entschieden für die Ansprüche des R.Wolf ein. In ihrem Berichte wies sie auf die große Gelehrsamkeit des R. Wolf hin, bestätigte, daß er die ihm seit zehn Jahren aufgetragenen rabbinischen Ämter zur vollen Zufriedenheit aller Prager Juden versehe und empfahl ihn wärmstens für das Amt des Landrabbiners. Die Gegenpartei mit Moses Abeles-Bunzlau als Führer (auch Abelesische oder frühere Lichtenstädtische Faktion genannt) trat als „Teils Elteste"14 in einem vom Vorstande gesonderten Berichte ebenso entschieden gegen die Aufnahme des Wolf Wedeies zum Landrabbiner ein. Als Begründung für ihren Sonderbericht gaben sie die Parteilichkeit des Primators Bondi an, der bishin an den Verhandlungen über eine Angelegenheit des Wedeies wegen der Verwandschaft niemals teilgenommen hätte; diesesmal wäre er nicht nur bei den Verhandlungen gewesen und habe mitgestimmt, sondern hätte dem Wedeies die Zuschriften zum Lesen gegeben und mit ihm vorher alles besprochen. In der Sache selbst seien sie gegen Wedeies, der sich ganz dem Handel hingebe und Wucher treibe, sich aber nicht dem Studium widme. In einigen Gemeinden Polens - führen sie u. a. an - sei Wedeies zwar zum Rabbiner gewählt worden, aber nur wegen seines Geldes, jedoch nicht wegen seiner Gelehrsamkeit. Des Wedeies Angabe, er stamme von Rabbinern ab, könne sich nur auf seinen Vater, nicht aber auf seinen Großvater beziehen, der kein Rabbiner gewesen sei. Voll des Lobes äußern sie sich dagegen über den Landrabbiner Abraham Broda: „Hingegen ist bekannt, daß wer nur zum Studieren tauglich Kind hat und studieren lassen will, der hat es vorher, als der Abraham Schaul zu Jung Bunzel gewesen, dahin geschickt und anjetzo schickt man sie aus entlegenen Ländern nacher Liehtenstadt". Die Deputierten der Landesjudenschaft wandten sich gleichfalls gegen Wolf Wedeies, namentlich der Primator Abraham Aron, dessen Memorandum an die Landesdelegierten den Behörden zur Kenntnis gebracht wurde und so jeden Anspruch des R. Wolf Wedeies zunichte machte. Die böhmische Kammer wies ihn am 1. September 1690 mit seinen Ansprüchen auf das Landesrabbinat gänzlich ab. b. Teilung des Landrabbinates Wolf Wedeies Landrabbiner über die Hälfte Böhmens In der Angelegenheit des Landrabbinates trat nach kurzer Zeit ein wesentlicher Umschwung ein. Abraham Aron Liehtenstadt kam nämlich im Jahre 1691 in verwandschaftliche Beziehungen zu R. Wolf Wedeies. Sein Sohn Salomon heiratete Schifra, die jüngste Tochter des 84 6