Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 5 (1933)
- Date
- 1933-01-01
- Page
- – (sequence 78)
- Language
- German
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geboren um 1640, widmete sich ursprünglich nicht dem Rabbiner-, sondern dem Handelsberuf e. Er verkaufte Edelsteine und Perlen und machte Geldgeschäfte, wodurch er sich ein großes Vermögen erwarb. Er hatte zwei Söhne: Elias und JechielMichl, sowie vier Töchter.4 Elia heiratete Dobrisch,6 Tochter des einflußreichen Prager Primators Esriel Bondi. Diese Verwandschaft spielt im Laufe unserer Darstellung öfter eine Rolle. Auch sonst hatte R. Wolf in Prag eine weitverzweigte Verwandschaft. Nach dem Tode seines Vaters wurde er zum ersten Oberjuristen gewählt und war auch seither Stellvertreter des Oberrabbiners. Er besaß ein bedeutendes jüdisches Wissen und war auch außerhalb Böhmens als Gelehrter anerkannt; dies geht aus den zahlreichen Approbationen6 hervor, die im Laufe der Jahre viele Gelehrte bei der Veröffentlichung ihrer Werke von ihm verlangten. R. Abraham Broda (auch Brod, Brodt), geboren gegen 1650, war der Sohn des Saul, der mit seiner Frau Ziperle in Prag lebte und noch am 30. Juni 1679 als „Präger Jud" verzeichnet ist.7 Saul ist der Pest vom Jahre 1680 zum Opfer gefallen, seine Frau heiratete wieder. „Zipperle, vorhero des verstorbenen Schaul Brodt, jetzt des Moyses Priseks Weib" heißt es am 3. November 1682 von ihr. Prag dürfte Abraham Brodas Geburtsort gewesen sein; er fügt nämlich stets, auch bevor er nach Prag übersiedelte, seinem Namen „aus Prag" hinzu. Im Liber Judaeorum Albus8 wird er am 10. Jänner 1679 als Verlobter genannt: „Abraham Schaul Brodt und dessen künftiges Eheweib Reikh, des Raby (in Jungbunzlau) Lippmann Graetz Tochter". Nach seiner Verheiratung siedelte er zu seinem Schwiegervater nach Jungbunzlau9 über und leitete dort eine Talmudschule, die von den vornehmsten Jünglingen aufgesucht wurde. Nach einigen Jahren nahm er das Rabbinat in Lichten - stadt an und gründete auch hier eine bedeutende Talmudschule.10 Seinen Ruf dankte er der großen Gelehrsamkeit und der ausgezeichneten Leitung der Talmudlehrstätten. Sein berühmter Schüler R. Jonathan Eibenschütz behauptet,11 die meisten jüdischen Gelehrten seiner Zeit seien Schüler Abraham Brodas gewesen. R. Wolf Wedeies hatte bei den Landesdeputierten12 eine große Anhängerschaft. Als sich nun die Landesrabbinerwahl zu seinen Gunsten zu neigen schien, trat der Primator Abraham Aron aus Lichtenstadt, der seit dem 20. November 1672 der Landesjudenschaft vorstand, in einem Memorandum an die Landesdeputierten entschieden für Abraham Broda ein; er legte dessen Würde, Gelehrsamkeit, Frömmigkeit? Rechtschaffenheit und Uneigennützigkeit in überzeugender Weise dar, behauptete dagegen von Wolf Wedeies, dieser zeige weniger Eifer zum Studium, als großen Hang zum Handel, sei auch zanksüchtig, bestechlich und unredlich in seiner Amtsführung. Dieses Schreiben, das auch zur Kenntnis S 81