Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 5 (1933)
- Date
- 1933-01-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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8. Abwicklung der Geschäfte Den Abschluß der Geschäfte mit den Juden vollzogen Graf Paul Adam Slawata, der Freiherr Johann der Ältere Czernin und die Grafen Herrmann und Humprecht Johann Czernin persönlich, weshalb die Briefe der Juden auch direkt an ihre Adresse gerichtet sind. In seinem letzten Lebensjahre übergab der Letztere die wirtschaftliche Leitung in allen seinen Herrschaften und Gütern seinem Oberverwalter, später Oberhauptmann Johann Prochazka, der dieses Amt auch unter dem Grafen Herrmann Jakob bis zu seinem Tode ausübte, weshalb die Juden in dieser Zeit ihre Geschäfte nur mit diesem abschlössen und abwickelten. Die Abwicklung der Geschäfte ging in der Regel glatt, das ist ohne Differenzen vonstatten. Die jüdischen Händler waren bestrebt, die Herrschaften in jeder Hinsicht zu befriedigen, um sich auch weiterhin die Geschäftsverbindung mit ihnen zu erhalten. Nur in einem Falle ist in einem Briefe des Grafen Herrmann Jakob an seinen Prager Kassier Zeidler von einem betrügerischen Beginnen der jüdischen Roßhändler Jakob Teplitzer und Jekusiel Gerstl die Rede .22 Doch nicht ohne Reibungen ging die Abwicklung der Geschäfte mit dem Freiherrn Johann dem Älteren Czernin vor sich, wie aus seinem Verhalten gegen Abraham Czerny und Samuel Wahle hervorgeht.23 Unfreundlich war das Verhalten eines Teiles der herrschaftlichen Beamten gegen die jüdischen Händler. Der Häutehändler Sacerdot klagt in Briefen an den Oberhauptmann Prochazka über unkorrektes Vorgehen der Beamten auf den gräflichen Herrschaften bei der Ablieferung der Rohhäute, indem sie die besten Stücke anderen Händlern zu erhöhten Preisen verkauften und ihm nur die schlechten und minderwertigen ablieferten. Er beschwert sich auch über unkorrektes Vorgehen des Amtmannes der Herrschaft Kost, bei dem er ein Quantum herrschaftlicher Leinwand gekauft hatte; ja selbst über Mißhandlungen durch den gräflichen Stallmeister und Amtschreiber in Melnik beschwert er sich. Auch der Matratzenmacher Israel Baroch beklagt sich in einem Bittgesuche an den Grafen Humprecht Johann über Mißhandlungen durch den Prager gräflichen Stallmeister.24 Im Gegensatz hierzu steht das höfliche Vorgehen des gräflich Czerninschen Neuhauser Oberhauptmannes Kölsche v. Kölschheim gegen den Monturenlieferanten und Großhändler Moses Jütschin, den er in einem Briefe mit „Lieber Jütschin" anspricht und seine Unterschrift mit den Worten „Euer williger" einleitet. In einem Gesuch des Prager jüdischen Eisen- und Metallwarenhändlers Salomon Fanta an Johann Prochazka erfahren wir auch einiges über das Verhalten der Prager Bevölkerung gegen die unglücklichen jüdischen Abbrändler nach dem katastrophalen Brande des Prager Ghettos im Jahre 1689. In dieser Bittschrift schreibt Fanta: „Er und 20 12