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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1933-01-01 · 5 (1933) · page 16

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
5 (1933)
Date
1933-01-01
Page
– (sequence 16)
Language
German
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IRI
…/2644300-2644317--1984-2646329
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Verleiher Götzl Lichtenstadt, der dem Grafen Herrmann Czernin ein Darlehen von 20.000 fl. gegeben hatte, handelt auch mit Wolle, Tuchen, Pay (grobes Tuch), Schnüren und Knöpfen. Der Monturenlieferant Aron Löbl Jeüttel handelt auch mit Schafwolle und Rohhäuten. Der Häutehändler Schimsche Sacerdot handelt auch mit Vieh und Leinwand, die Roßhändler Jakob Teplitzer und Jekusiel Gerstel handelten auch mit Landesprodukten. Selbst jüdische Handwerker trieben, wie wir oben gesehen haben, auch Handel. Die Juden Prags handelten, wie es scheint, damals, wie dies noch heutzutage in den Städten Osteuropas der Fall ist, mit allem, was sich ihnen darbot und woran etwas zu verdienen war. Dieser Umstand ist auch aus der Prager Konskription vom J. 1829 ersichtlich.20 Die Findigkeit der Prager Juden im Handelsbetriebe und deren Bestreben, sich neue Erwerbsquellen zu erschließen, zeigen folgende Vorschläge und Projekte einzelner Prager Juden. Der Hof jude und kaiserlicher Faktor Löbl Mirowitz unterbreitete um das Jahr 1670 dem Grafen Humprecht Johann Czernin ein Projekt, betreffend die Nutzbarmachung neuer nützlicher Erfindungen, die er auf seinen Reisen in fremden Ländern kennen gelernt hatte (vgl. S. 40 u. Beil. IX). Ein anderes Projekt zur Hebung der fiskalischen Einnahmen unterbreitete um die Mitte des achtzehnten Jahrhunderts der Jude Perl Lazarus der böhmischen Landesregierung. In manchen Ländern der österreichischen Monarchie nämlich wurde damals von den die Jahrmärkte besuchenden Juden eine Leibmaut eingehoben, welche in Brünn 17 kr. täglich betrug.21 Perl Lazarus schlug der Landesregierung vor, daß die Einhebung einer solchen Leibmaut von täglich 17 kr. auch in Böhmen eingeführt und diese Judensteuer verpachtet werden möchte. Möglich, daß er selbst der Pächter werden wollte, um dadurch sein Einkommen zu vergrößern. Über diesen Vorschlag gab ein Mitglied der Landesregierung ein Gutachten ab, dessen Konzept wir in seinem vollen Wortlaute im Anhange als Beilage wiedergeben (vgl. Beil. XII). Schließlich sei noch auf folgenden Vorschlag hingewiesen, den der Häutehändler Sacerdot dem Oberhauptmann Prochazka unterbreitete. Auf allen gräflich Czerninschen Herrschaften wurden die Kälber den Fleischhauern stückweise zum Preise von 1 fl. 25 kr. bis höchstens 1 Taler verkauft. Der Häutehändler schlug den Abschluß eines sechsjährigen Vertrages vor zur Abnahme der Kälber per Gewicht, u. zw. ä 3 kr. per Pfund Lebendgewicht. Der Preis des einzelnen Kalbes würde dann auf 2 bis 3 fl. und darüber kommen, wovon sich der Oberhauptmann durch das probeweise Abwiegen einiger Kälber überzeugen könne. Doch müßten ihm die Kälber von der Herrschaft durch deren Untertanen nach Prag zugeführt werden. Durch diese, für den Grafen nützliche Neuerung wollte sich der Antragsteller die Abnahme der Kälber auf sämtlichen Herrschaften für sechs Jahre sichern. 11 19

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