Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 5 (1933)
- Date
- 1933-01-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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bei seinem „Patrone". So trat der Hausjude Samuel Marek beim Grafen Herrmann Czernin für die Prager jüdischen Fleischhauer ein.14 Salomon Fanta berief sich in einem Bittgesuch an den gräflich Czerninschen Oberhauptmann Prochazka darauf, daß sein Vater als Hausjude sein Leben lang ein treuer Diener des verewigten Grafen Humprecht Johann gewesen war. Um dessen Willen möge er seiner Bitte stattgeben.15 Der Hausjude Aron Löbl Jeüttel protegiert seinen Schwager bei demselben Oberhauptmann, daß er die Wolle keinem anderen als diesem verkaufen solle.18 Mancher Hausjude mißbrauchte jedoch die Gunst seines „Patrons44 dazu, um andere Juden, die mit diesem in irgend welcher geschäftlichen Verbindung standen, zu verdrängen und das Geschäft selbst zu machen. So klagte der Prager Jude Israel Karpeles, der vom Grafen Herrmann Jakob mit der Anschaffung von Monturen betraut worden war, in einem Bittgesuch an den Grafen gegen dessen Hausjuden A. L. Jeüttel, daß dieser ihn an der „Verschaffung" der Monturen verhindert habe, um ihn bei dem Grafen „in einem Discredito zu bringen" und sich so eines Konkurrenten zu entledigen. Derselbe Jeüttel machte auch im Jahre 1699 vor Ablauf des von Schimsche Sacerdot mit dem Oberhauptmann auf fünf Jahre abgeschlossenen Vertrages zur Abnahme der Rohhäute auf den gräflichen Czerninschen Herrschaften demselben das Angebot, daß er an jährlichem Pachtschilling für die Häute um 100 fl. mehr zahlen möchte. Der Oberhauptmann möge ihm die Preise mitteilen, zu welchen „der Lederjud" bisher die Häute abgenommen habe, er werde dann ein genaues Angebot machen.17 7. Umfang der Geschäfte Welchen Umfang die Geschäfte eines Prager jüdischen Großhändlers einnahmen, sehen wir an dem Beispiele des Moses Gitschin, der in einem Bittgesuch als seinen Beruf „Monduren Lieferant" angibt. Derselbe betrieb auch einen Großhandel mit feinen Tuchen, Seide und Seidenwaren, die er aus dem Auslande einführte. Im Jahre 1709 hatte er in Linz Tuche im Werte von 9000 fl. für den Bartholomäi-Jahrmarkt auf Lager.18 Auf die Leipziger Messe fuhr er alljährlich mit seinem Diener.19 Er war in dieser Zeit auch beständiger Abnehmer der Schafwolle aus den gräflich czerninschen Herrschaften, die Prager jüdischen Kaufleute beschränkten sich eben damals nicht auf den Handel mit einer einzigen bestimmten Ware oder Warengattung, sie handelten vielmehr mit mehreren Waren und Warengattungen. Jakob Tille verkaufte Leinwand, Flor und Schleier, handelte aber auch mit Eiern, Schmalz, Butter und Wolle. Bernhard Fanta Sacerdot handelt mit Wolle, Tuchen und Eisen. Der Geld- 18 10