Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 5 (1933)
- Date
- 1933-01-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Grafen Monturen, und zwar immer um einige Gulden per Stück billiger als anderen Herren vom Adel. Schon im Jahre 1684 vermittelte er den Verkauf der Zwetschken aus den gräflichen Herrschaften. Im Jahre 1709 scheint der Großhändler Moses Gitschin Hausjude des Grafen Herrmann Jakob gewesen zu sein, der sich von ihm von der Leipziger Messe acht Stück „Carmesien Liberetuch" (Livreetuch) bringen ließ. Gleichzeitig brachte Gitschin für den Grafen „12 Stück eingemachte Muscatnuß" (wahrscheinlich als Geschenk) aus Leipzig mit. Der Hausjude machte seinem Patrone, so oft dieser nach Prag kam, seine Aufwartung und stellte sich ihm zur Verfügung. Samuel Marek entschuldigt sich bei dem Grafen Herrmann, als er dies krankheitshalber nicht tun konnte. Jakob Tille nimmt als Hausjude an dem Leichenbegängnis der Freifrau Susanna Czernin „mit seinem schwarzen Kleide gebrauchsmäßig" teil. Zum Osterfeste schickte er dem Grafen Humprecht Johann fünf Zitronen mit dem Wunsche, der Graf möge sie „mit Gesundt verzähren". Der Ton des brieflichen und wahrscheinlich auch persönlichen Verkehres des Hausjuden mit seinem Patrone und dessen Familie war einigermaßen familiär. Ein Brief des Bernhard Fanta an den Grafen Humprecht beginnt: „Wünsche Euer Hoch Gräfl. Excellenz sambt die gnädige Frau Grätin undt den Herrem Junge Printzen von Gott dem Allmächtigen Gesundtheit bey nebens alle Wohlfahrten." Jakob Tille schließt einen seiner Briefe an denselben Grafen: „Hiemit E. G. sambt der Gemahlin Undt Khinder Göttliches Protection befehlend und ehest Antwort gewertigIn einem anderen Briefe schreibt er als Postskriptum : „Der Frau ehegemahlin thun ich gehorsambst salutiren." Der Herr trat für seinen Hausjuden im Bedarfsfalle bei den Behörden als Protektor ein. So wandte sich Baruch,13 der Vater des Jakob Tille, welcher auch beim Vater des Grafen Humprecht Johann, dem Freiherrn Johann dem Älteren Czernin, Hausjude gewesen war, im Jahre 1650 mit einem Bittgesuch an den Grafen, er möge für ihn bei der böhmischen Kammer, an welche er ein Bittgesuch in einer für seine Existenz sehr wichtigen Angelegenheit überreicht hatte, „dero hochansehnlichen Interzession bey bringen, auf daß meinem allunthänigsten Bietten stattgegeben . . . werden möchte und mir alter kranker Mann und derohalben alter Diener. . . billigermaßen in meine höheren Jahre geholfen werden möchte und von der Eyßersten Noth Errettet werde". Es scheint jedoch, daß die Bittschrift von der Kammer nicht zu seinem Gunsten erledigt worden war. In einem Briefe an den Grafen vom 13. November 1654 schreibt er, der gräfliche Sekretär, dem er sein „Suppliciren an Ihr kays. Mayst. mit gegeben, habe ihm sagen lassen, daß der Graf für ihn bei dem Kaiser einzutreten bereit sei, wofür er „gehorsamb Undt schuldig dankbahr" sei. Der Hausjud protegierte oft seine Verwandten und Freunde 9 17