Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 5 (1933)
- Date
- 1933-01-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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dem Grafen Coloredo geliefert hatte (vgl. Beil. VI). Der Knopf- und Schnürmacher Mirowitz lieferte im Jahre 1665 dem Grafen Humprecht Johann Czernin zu den neuen Livreen der Dienerschaft die Knöpfe, die Fransen für die „Wehrgschenge" und Trompeten, sowie auch „Stöcke und Schlingen für die Mohren und Heyducken". Der Schnürmacher Katz lieferte im Jahre 1686 der Gräfin Anna Marie, der Witwe des Grafen Humprecht Johann Czernin, Schnüre für einige Livreen. Der Matratzenmacher Israel Baroch lieferte dem gräflich Czerninschen Prager Stallmeister Decken und Polster. Es scheint jedoch, daß das Handwerk die Handwerker des Ghettos nicht ernährte, weshalb sie auch Handel treiben mußten oder Prag verließen, um auf dem Lande leichter fortzukommen. Der Buchdrucker Samuel Wahle handelt auch mit Butter und Käse, der Schnürmacher Löbl Fanta mit Eisen und Metallwaren. Der Gerber Löbl Schebkes bittet den Grafen Humprecht Johann Czernin um die Erlaubnis, sich auf einer seiner Herrschaften niederzulassen, sein Handwerk daselbst auszuüben und einen Kramladen zu eröffnen, da er in Prag mit seinem Handwerk seine Familie nicht ernähren könne. 5. Vermittler Einen besonderen Erwerbszweig der Prager Juden bildete die Handelsagentur, die Vermittlung von Käufen und Verkäufen von Waren und Realitäten, in welchem Berufe sich laut der Judenkonskription vom Jahre 1729 sechsundzwanzig Männer und drei Frauen betätigten.9 In unseren Akten gibt es zwölf Briefe von neun Vermittlern, die sich mit der Vermittlung von Gutskäufen und von Käufen von Hypothekarschuldbriefen auf dem Wege der Zession, sowie auch mit Vermittlung von Gelddarlehen befaßten. Von diesen Briefen sind sechs an den Grafen Herrmann, zwei an Humprecht Johann und vier an Herrmann Jakob Czernin gerichtet. Einer dieser Vermittler Jakob Levita Tuschkauer war von Beruf „Prokurator" und ein zweiter, Moses Bonaventura Sachs, unterschreibt sich „Kursächsischer Hofjude und geschworener Richter der Prager Juden". In seinem Briefe an den Grafen Humprecht Johann Czernin schreibt er: „Sein Beruf bestehe darin, wichtige Geschäfte (wahrscheinlich Finanzgeschäfte) des Kurfürsten und anderer hohen Personen des Herrenstandes durchzuführen." Er machte daher dem Grafen folgendes Angebot: Gewisse Kavaliere, deren Güter mit sechsprozentigen hypothekarischen Schulden belastet sind, wünschen, diese Schulden auf fünf Prozent zu konvertieren. Falls der Graf seine Kapitalien auf fünf Prozent hypothekarisch anzulegen geneigt sei, so werde er ihm die be- 14 6