Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 5 (1933)
- Date
- 1933-01-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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3. Lieferung von Monturen Prager Juden lieferten dem Hochadel Monturen für die in Kriegszeiten von den Ständen für das kaiserliche Heer zu stellenden Rekruten. In den Jahren 1695 bis 1702 (zweiter Türkenkrieg, zweiter Raubkrieg Ludwig XIV. von Frankreich und Rüstungen Österreichs wegen des spanischen Erbfolgestreites) herrschte in Österreich großer Mangel an Material für die Ausrüstung und Bewaffnung des kaiserlichen Heeres. Der Preis des für die Monturen erforderlichen Tuches stieg enorm. Für Schafwolle, die um die Mitte des siebzehnten Jahrhunderts 20 bis 24 fl. kostete, zahlte man jetzt 50 bis 60 fl. und sie war auch zu diesem Preise schwer zu bekommen. Nur die Juden konnten infolge ihrer vielseitigen geschäftlichen Beziehungen Wolle für die Tuchmacher und Tuch für die Monturen herbeischaffen. Sie waren daher die zuverlässigsten Lieferanten von Monturen, und nicht nur die kaiserliche Armeeleitung in Wien betraute sie mit Heereslieferungen (S. Oppenheimer, Samson Wertheimer),6 sondern auch der Hochadel ließ sich die Monturen für das von ihnen zu stellende Rekrutenkontingent von Prager Juden liefern. Einer dieser Monturenlieferanten, deren in der Judenkonskription vom Jahre 1729 bloß einer angeführt ist,7 war in diesen Jahren der Hausjud des Grafen Herrmann Jakob Czernin. Aron Löbl Jeüttel, der nicht nur diesem, sondern auch den Grafen Rudolf Mofin, Wurmb und v. Weißen Wolf und dem „Presidenten der Cammer" Monturen lieferte. Graf Czernin hatte zur selben Zeit auch den Prager Juden Israel Karpeles mit der „Anschaffung von Monduren" betraut, doch konnte dieser bloß sechs Monturen abliefern. Monturenlieferant war auch der Großhändler Moses Gitschin. Wahrscheinlich war er ein ständiger Lieferant von Monturen an das kaiserliche Heer. 4. Handwerker liefern eigene Erzeugnisse Prager jüdische Handwerker lieferten an Mitglieder des Hochadels ihre Erzeugnisse. In unserem Aktenfaszikel begegnen wir folgenden Handwerken: 1 Buchdrucker, 1 Gerber, 1 Knopfmacher, 1 Matratzenmacher 2 Schnürmacher und 1 Tapezierer. Im Jahre 1729 war die Zahl dieser Handwerker im Prager Ghetto: 7 Buchdrucker, 2 Gerber, 20 Knopfmacher (18 Männer und 2 Frauen), 7 Matratzenmacher, 4 Tapezierer, 39 Schnürmacher (32 Männer und 7 Frauen).8 Im Jahre 1648 schloß der Sattler Moses Brandeis mit dem Grafen Herrmann Czernin einen schriftlichen Vertrag zur Lieferung eines neuen sechssitzigen Luxuswagens nach dem Muster des Wagens, den Brandeis 5 13