Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 5 (1933)
- Date
- 1933-01-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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schuldeten Betrages beschlagnahmen und so lange behalten, bis mir die Schuld samt Spesen und Schaden bezahlt werden wird. Ich glaube jedoch nicht, daß Ihr es dazu werdet kommen lassen; ich hoffe vielmehr, daß ihr wissen werdet, wie ihr dem zuvorkommen könnet, indem ihr nämlich Vorsorge treffet, daß ich sofort zur Begleichung meiner Forderung kommen kann. Ich erwarte Euere Antwort, ehe ich diesen Schritt unternehme(Vgl. Beil. III.) Welche Antwort die Ältesten der Prager Judenschaft dem Freiherrn gegeben hatten, ist aus den Akten nicht ersichtlich. Es ist wohl anzunehmen, daß nur selten ein Herr vom Adel ein derartiges Mittel gegen jüdische Schuldner angewendet hat. Einen schwunghaften Handel betrieben die Prager Juden mit Schafwolle, die sie von dem Hochadel aus seinen Herrschaften und Gütern bezogen. Als Wollhändler werden in den Akten genannt: die Prager Juden Berhard Fanta Sacerdotte (1643,1654 und 1665), Salomon Kauder und Mandl Lazarus (1643), Aron Löbl Jeüttel (1696) und Moses Gitschin (1709-1723). Eine besondere Stelle im Handel der Prager Juden mit dem Hochadel nahm der sogenannte „Lederjud" ein. Es war dies ein Händler mit rohen Häuten, der mit einem der Herren vom Hochadel einen mehrjährigen Vertrag abschloß zur Abnahme der Häute von geschlachteten und gefallenen Rindern, Kälbern, Schöpsen, Schafen, Ziegen, Schweinen, gefallenen Pferden, geschossenen und gefallenen Hirschen auf einigen oder allen Herrschaften und Gütern derselben zu einem vereinbarten Preise, wozu noch die Zahlung eines jährlichen Pachtschillings für den Häutehandel kam, dessen Höhe aus den Akten nicht ersichtlich ist.4 Solchen „Lederjuden" begegnen wir in unserem Aktenfaszikel in Löbl Katz, der im Jahre 1689 nach dem katastrophalen Brande des Prager Ghettos in einem Gesuch an Johann Prochazka, den Oberhauptmann des Grafen Herrmann Jakob Czernin, um einen Preisnachlaß bei den Schöpsenhäuten ansucht, und in Schimsche Sacerdot, der sich in einem seiner Briefe als „Hoch gräf. czerninscher Led(er) Händler" unterschreibt. 2. Lieferung verschiedener Waren Jüdische Händler lieferten dem Adel verschiedene Gebrauchsgegenstände, wie Schnitt-, Galanterie- und Kurzwaren usw., sowohl für deren eigenen Bedarf, als auch für ihre Dienerschaft. Sie lieferten die Waren in der Regel auf Kredit und nahmen als Bezahlung statt des Geldes auch Landesprodukte an. Daß der jüdische Händler manchmal schwer zu seinem Gclde kam, zeigt der Leidensweg der Prager jüdischen Händlerin Peprle.* 12 4