Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 4 (1932)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- – (sequence 481)
- Language
- German
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schreiben täten, daß mit Vergnügen vernommen hätten, daß den Juden in den Ländern Böhmen und. Mähren Gnade getan, sie wollten aber ersuchen ihre Gnade komplet angedeihen zu lassen und den Juden in Prag ebenso ihre Gemeinde wiederum einzuräumen, weilen dieses eine gar schreiende Sache ist, wenn einer mit Erlaubnis der Herrschaft ein Haus gebaut, wenn man ihm solches ohne Verbrechen benehmen soll, denn solange Prag nicht wiederum stabuliert ist (wenn nur halb so viel hinkommen sollten, wie hier gewesen) werden die Geseres in obigen Ländern kein Ende nehmen, darum bitte sich mit dem angesehenen R. Sender Braunschweig diesfalls recht klug zu beraten, wie eine Hilfe am geschwindesten könnte, wenn Gott will, bewirkt werden. 81 Als eine176 Affäre, die in der ordinäre Korrespondenz nicht einschlagt, berichte meinem Herrn Vater und Lehrer, e. 1., wie daß vor einigen Tagen ganz plötzlich der Erlaß der Regierung, i. E. w. e., nach Böhmen und Mähren ergangen, daß binnen 6 Jahren alle Juden aus diesen Ländern sein sollten und sind in Bräun als Kommissarien ernannt Herr Blümchen, Herr Klitsch, Herr Wiedmann; diese sollen die Modalität verfassen, wie man successive in 6 Jahren alle Juden aus dem Lande bringen solle.177 Der Erlaß ist nicht in ordine durch die böhmische Kanzlei an das Tribunal, sondern durch die geheime Kanzlei an diese 3 Kommissarien. Nun ist leicht zu erachten, was dieses wieder für Bestürzung kausirt. Unsere jüdischen Brüder sind in großer Not, Gott erbarme sich unser, wer weiß, wie diese die Einteilung zur Vertreibung machen werden, Gott wende das Herz der Königin für uns zum Guten, Es ist von der Königin, L E. w. e.5 von allen Kapitalisten ein Darlehen verlangt worden, worunter die Juden hier mit 10000 fl angesetzt sind und solche sind nicht per Dekret durch den Herrn Oberhofmeister gekommen, sondern Herr Graf Seiler hat dieses im Namen der Kaiserin verlangt und sollte man diese 10000 fl binnen 24 Stunden erlegen und sich nicht weigern, sondern sollte sich bei erzeigter Saumseligkeit an Prag spiegeln, dahero heute Versammlung vom Gemeindevoirstand gewesen und geblieben solche sollten repartirt werden in der Art wie mein Onkel R. Leb,178 er lebe, die 18000 fl repartiert und werden 2/3 auf die Erben von Sinzheim179 und die Erben von Arnstein180 und den Rabbiner,181 «s. L. 1., 1/3 auf die anderen Balebatim hier ausgeschlagen, also wird mein Onkel, e. 1., leicht wissen, wie schwer die Last sein wird, die auf ihn zu die 10000 fl kommen wird;182 ich werde ehest meinem Herrn Vater und Lehrer, e. 1., Abschrift des erwähnten Erlasses einschicken. Habe mich heute wegen des christ- 470 118