Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1932-01-01 · 4 (1932) · page 474

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
4 (1932)
Date
1932-01-01
Page
– (sequence 474)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2644300-2644307--1933-2646277
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

doch bemühten sich alle vergebens. Man hat mittels Affigation und Publikation inquirirt, wer etwas Schlechtes über die Juden wisse, was sie gegen das Gesetz getan hätten, komme und sage es, wo man doch gemeint, viele von dem Volk des Landes, die ihr ganzes Leben den Söhnen unseres Volkes nicht gut sind, werden ihren Mund aufsperren ohne Maß; jedoch bei alledem hat nicht einer was denuncirt und von den Söhnen unseres Volkes nicht Einer in einer Inquisition verfallen wäre, mithin ist die weltliche Unschuld klar und wahr, und muß nur sein, daß einige Judenhasser, auf denen man gar nicht vermuten tut, ungerechte Verleumdungen beigebracht und unsere Sünden verursacht haben, daß diese Glauben gefunden haben, die Fürsprachebriefe von den Regierungen England, Dänemark, Holland, den Reichs-ständen, Fürsten und Kurfürsten — von fast sämtlichen — sogar auch vom päpstlichen Stuhl bisher nicht das Mindeste bewirkt haben, inzwischen werden die unglücklichen Juden von Tag zu Tag elender, wer kann sein Ohr verschließen ihrem Wehgeschrei. Welche außerordentlich reich gewesen, sind in der Plünderung um all das Ihrige kommen, daß buchstäblich wie „die teueren Kinder Zions"166 jetzt um ein Stück Brot betteln müssen; die annoch einen Rest gerettet haben, gehen unstet und flüchtig in der Provinz umher und verzehren nach und nach ihr Kapital, ihre Augen vergehen und erwarten und ersehnen die Rettung. Mein Freund, verehrter und gelehrter Rabbiner, s. L. 1., wenn ich die Größe ihres Unglücks erklären wollte, wie den Leuten so hart geschehen und noch geschieht, würde die Zeit zu Ende gehen, meine Worte aber nicht, maßen diese nicht dürfen in einer Entfernung von 2 Stunden rings um die Stadtmauer sich arretieren, und wer zuweilen eingelassen wird, etwas von seinen Außenständen einzuheben, darf dort nicht übernachten, auch nicht einmal, so daß sie nicht einmal dasjenige, so sie an ausständigen Schulden haben, nicht hereinbringen können, es ist hieraus eine schleichende Krankheit worden, denn jetzt vor 1 oder 2 Jahren ist der Befehl ergangen,167 auch alle Juden aus den Ländern Böhmen und Mähren zu vertreiben, und zwar, daß diese in G Teile eingeteilt und alljährlich 1/6 emigrirt werden, sodaß zu Ende der 6 Jahre kein Jude in diesem Lande verbleiben soll, es haben zwar die vornehmsten Fürstlichkeiten und Beamten, auch die gesamten Landstände ihre Gegenvorstellung eingelegt und angezeigt, wie die größten Einkünfte der Herrschaften von den Juden seien, der Unterhalt des Publikum, in specie das Kommerzium dependirt davon, daß also bei Vornehmung solcher Abschaffung, die Länder außerstande sein werden zu Kriegs und Friedenszeiten der Königin, i. E. w. e., ihre Prästante zu prästiren. Auf welche lamentable Vorstellungen die Vertreibung nicht exequirt, hingegen auch nicht remedirt worden, mithin Iii 463

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.