Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 4 (1932)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- – (sequence 460)
- Language
- German
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63 (Wien, 1745, März, 17.) Fernere Relation Mittwoch, Fasten Esther 505. Im Interesse der Allgemeinheit haben die .Gesandten 'gemeinsam konkludirt und für gut befunden, ihre Fürsprache nicht recte bei der Königin, i. E. w. e., mittels einer Audienz zu urgieren, indeme, wann sie einmal eine abschlägige Antwort von ihr bekommen, sind sie bemüssigt, die Hand davon zu lassen und weiter diesfalls nicht zu dentieren, darum agiren sie alle gemeinsam durch die Fürstlichkeiten und haben gute Hoffnung, die Zeit wirds lehren. Obschon mit Prag und Böhmen bisher sehr schwer ist, hat man Hoffnung, daß in Mähren möchte gerichtet werden. Als sicheren Beweis hat man erfahren, wie, daß der Fürst Auersperg als dermaliger Oberststallmeister bereits vor 4 Wochen seinem Beamten auf dem Gute Tschernihora in Mähren (geschrieben), daß er sehen sollte auf den Branntweinhaus und Lederhaus, so bis jetzt ein Jude in Bestand gehabt, weil nun dieser nicht bleiben dürfte, einen Nichtjuden aufzusuchen, welcher solches in Bestand nehmen möchte; vor 8 Tagen hat er wieder diesem Beamten Ordre gegeben, daß er keinem Nichtjuden den Bestand überlassen solle, weil der Jude zu bleiben haben wird, ich habe überdies andere Nachricht, daß mit Mähren nicht so schwer sein dürfte. Ich habe von einer hohen Persönlichkeit als Geheimnis erfahren, welches ich hier absolut keinem Menschen offenbare, daß unter der Presse ist in Druck von der Königin, i. E. w. e., ein Manifest herauszugeben über die Ursachen der Vertreibung resolvirt. Weil nun solches erst in einigen Wochen ans Tageslicht kommen soll, werde ich vielleicht vorher ein geschriebenes Exemplar davon bekommen, d. h. wenn etwas Wahres an der Sache ist, wie man mich berichtet hat, indessen tut man hier weiter, wa^s möglich ist, im Interesse der Gesammtheit zu urgiren, Gott wende es zum Guten und vereitle alle bösen Verhängnisse in Ewigkeit. 64 (Wien, 1745, März, 21.) Fernere Relation vom heiligen Sabbat. Sonntag den 17. Adar II 505. In Angelegenheit der Intervention im Interesse der Gesammtheit ist nichts passirt außer, daß der (angesehene R. Samuel P. B. am vergangenen Mittwoch per Stafette frische Salm vom ersteren Fang gescickt bekommen, davon hat er den größten, so 14 Pfund gewogen selbst der Königin, i. E. w. e., im Namen der Präger Juden präsentirt und dabei gebeten, sie möchte den Unterdrückten Gnade widerfahren lassen. Die Königin, i. E. w. e., hat solchen in Gnade angenommen und, wie er sab, ein Wohlgefallen daran gehabt, auch im Gehen dem R. S. die Hand zum Küssen gereicht, welcher mit untertänigster Devotion den Handkuß bewirkt. Gebe Gott, daß solches zum Wohle deT Gesammtheit gereichen möchte, damit Gnade zu erwirken für unsere Brüder, die Juden, die in der Not stehen. Den anderen Salm, welcher geringer war, hat er Baron Agilar verehrt, dieser aber hat ihn gestern dem Herrn Grafen Kiiisky verehrt. Weiter ist nichts passirt. Daß Herr Graf Los sich ihm gegenüber verlauten lassen, es wird die Angelegenheit der Intervention hier nicht *n ordine traktirt, die Sache ist richtig und ist bereits 5 Wochen, daß nicht einer dem anderen nahegekommen und agirt jeder nach seinem Verstände, und alles insgeheim, gebe Gott, daß es zum Guten der Gesammtheit ausschlagen solle. Gestern ist der Großherzog, s. E. w. e., und sein Bruder Prinz Karl, s. E. w. e., zu Leben und Frieden nach Judental in Obersteier abgereist, dort ihre Schwester, die Herzogin, i. E. w. e., zu beniventiren. Am Dienstag geht die Königin, i. E. w. e,. s. G. w., zu Leben und Frieden nach Mariazell und doTt kommen Obige zusammen zu ihr und am künftigen Sabbat werden sie hier wieder eintreffen. Weil nun Graf Kolloredo von hier nach Mainz abgereist ist, also könnte nicht schaden und wäre von Nutzen, wenn «mein Herr Vater und Lehrer, e. 1., durch seinen Schwager, den gelehrten R. Mose Kann veranstalten möchte, daß dort in Mainz mit dem Herrn Grafen Kolloredo149 mündlich nachdrücklich die Angelegenheiten der Gemeinschaft reccommandirt wird, welches von hier aus nicht besehenen kann, wie ich schon mehrmals geschrieben habe, daß man hier nicht in einem Bunde und nicht ordnungsgemäß traktirt, mithin wird mein Herr Vater und Lehrer, e. 1., solches, sowie schon mehreres von ihm besehenen, suchen zu bewirken. 97 449