Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 4 (1932)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- – (sequence 447)
- Language
- German
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sehen Haus am Graben im ersten Stock bei Graf 5 kirchen sind von dem Pöbel alle Fenster eingeworfen worden; sie haben auch Christen auf der Straße angegriffen und Geld zum Vertrinken begehrt, wo man ihnen nichts gegeben hat, haben sie affrondiert. Es ist auch die Trauer abgelöst und gestern Opera und Komödie agirt worden, auch Musik ist erlaubt; die Freude ist, wie billig, unbeschreiblich. Die Königin, i. E. w. e., mit dem Prinzen, s. E. w. e., befindet sich im allerhöchsten Wohlsein; die Illumination wird erst bei Vorgang der Kaiserin, i. E. w. e., und nur einmal, man glaubt, daß sie einige Tage später wird vorgehen, damit just an Josefitag geschehen solle, an dem Geburtstag des großen Prinzen, s. E. w. e., andere Partikularien hievon findest Du in der Zeitung von hier im Detail. Wegen der böhmischen Juden stehts noch, wie es gestanden ist, und ist leider das Übelste, daß man in der Urgierung nicht konzert geht, der Landesrabbiner, s. L. 1., hat sein modus tractandi nach seinem Verstand eingerichtet und andere das ist R. S. P. b.,135 R. A. Moschkau, und R. M. Jafe136 wieder auf andere Manier, die Präger Abgesandten selbst sind in ihrem Urgieren konfus, jeder lauft mit dem Kopf wider die Wand, ohne zu wissen, was er damit zu hoffen hat, es ist ein Topf, der mehreren137 gehört, nicht kalt und nicht warm, kommt man in eine Versammlung, gibt es 1000 Ansichten, jeder will seine Bravour zeigen und sich hervortun, proponirt Einer etwas und es wird von Anderen verworfen, ist gleich der Verdruß, Repressalien zu gebrauchen, jenem seine Ansicht wieder zu nullieren. Dessenungeachtet tut man, was möglich ist und hat Memorialien beigebracht, was aber das gespendete Geld von Mantua betrifft, wird dieses, wann es kommt, an den vornehmen Agilar kommen. Allein dieses ist jetzt die Quästion nicht, Geld zu kollektieren, sondern das Hauptwerk muß erst gehoben werden, wie die Juden zu bleiben haben, hernach wird man trachten müssen, wie man ihnen für den Augenblick Subsidenz schafft, jetzt aber ist hieran nicht zu denken. Ich unterrede mich öfters mit dem Rabbiner, s. L. 1., allein, aber das ganze Werk wird nicht in Kommune traktiert und in einigem Bunde, wie es geschehen sollte. Die Abgeordneten von Prag sind keine richtigen Männer und solche Leute, denen man nichts nachreden kann. Jeder lauft nach seine Art, ohne zu wissen, zu wem und weswegen; ich habe auch den Rabbiner, s. L. 1., wegen Interzession von Mainz gefragt, ihm ist aber bis jetzt nichts davon vorgekommen. Vom König von Dänemark ist bereits hergekommen, daß aber mein Herr Vater und Lehrer, e. 1., von alle Interzessionen Abschriften verlangt, um die Akten in dieser Angelegenheit komplet zu haben, bin ich nicht im Zweifel und sehe auch aus seinem Briefe, daß er sich sehr im Interesse der Gesammtheit bemüht, bedauere aber, daß von alle bis dato angekommenen Interzessionen keine Abschrift haben kann, auch ich bis jetzt kein Weg sehe, solche zu bekommen, werde mich aber darum bewerben und sehen zu schicken. Man urgirt, so viel möglich ist, jedoch, wie erwähnt, jeder macht aus seine Verrichtungen Geheimnisse, als wenn man ein Geschäft traktiren soll, daß jeder befürchtet, andere möchten ihm in sein passus kommen und darum das Hauptwerk langweilig geht, man steht auf der Wache, soviel möglich ist. Gott möge alles zum Guten wenden. Der Großherzog, s. E. w. e., hat von der Königin, i. E. w. e., die Prokura bekommen, solange sie in der Retirade sein wird. Gebe Gott, daß dieses zum Besten der Gesamtheit was beitragen soll. Der Tod des Kaisers ist in der Zeitung eklat geworden, geh, lies es da!, aber ich wundere mich, daß mir von dort nicht etwas Verläßliches gemeldet worden, was bei diesem Todesfall sonst vorbeigangen, ob Testament gemacht worden und was der Inhalt, auch wie das Ministerium und übrige Hofstaat dermalen beschaffen ist, was der Herr Kurprinz, s. E. w. e., für Titel sich zugelegt, noch welcher Seite er neigt, indem ich hier von diversen Fürstlichkeiten bin befragt worden, ob ich von meinem Herrn Vater, e. 1., nicht Partikulares avisiert bekommen, mithin wohl mein Herr Vater, e. 1., meinem Bruder Josef, e. 1., in München ordinieren, mir relationiren soll, jedoch was sich tun läßt und zwar verständig, es genügt für den Klugen. Die Augsburger Zeitung,138 so mir geschickt vom 23. Jänner, Num. 20 zeigt zwar in Angelegenheit der böhmischen Juden zum Guten, aber ich habe eine dergleichen Zeitung von diesem Drucker und dem gleichen Tage ausgegeben, aus einem Kaffeehaus bringen lassen und äußert sich das in solcher. Anstatt der Nachricht von Hamburg wegen der Juden steht Bareuth und die Erzählung von Belil sein Gefängnis, mir kommt dieses suspekt vor, als wenn der Zeitungsdrucker wegen des Vorteils, den er von meinem Herrn Vater und Lehrer, e. 1., empfängt, gewissermaßen in der Zeitung, was er ihm gibt zugunsten der 436 84