Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 4 (1932)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- – (sequence 439)
- Language
- German
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remonstrieren. Die Prolongation in Prag 4 Wochen wird aus dem heutigen Diarium welches ohnedies in seine Hand kommt, zu ersehen sein. Daß die Vertreibung resolviert, mithin sich jeder danach zu richten hat, wer mit Juden in Böhmen und Mähren etwas umgeht, es soll auch das Vertreibungspatent edikaliter hier angeschlagen werden. Vorige Woche ist der Großherzog, s. E. w. e., durch Proßnitz passiert, haben ihm die Juden aufgewartet mit Trauhimmel und Thorarolle, alt und jung; der Gemeindevorsteher hat sich vor den Wagen geworfen und sehr wohl geredet und gebeten, so daß sich der Herr, s. E. w. e., erbarmt hat, daß er die Scheibe vom Wagen heruntergelassen und den Juden gesagt hat, seid wohl getröstet, es wird euch geholfen werden. Gott gebe, daß sein Herz gleich seinem Munde zum Guten sei. Prinz Karl, s. E. w. e., ist letzten Donnerstag von hier abgereist, was im Diarium genau zu ersehen ist, ebenso, daß der polnische König, s. E. w. e., erst am Donnerstag nach Olmütz gereist ist. R. Elia Essa ist mit dem Dresdner Hofjuden128 nach Olmütz gegangen; zwischen Olmütz und Prerau (ist eine Post von Olmütz) sind sie auf dem Wege attakiert worden, von hannakischen Bauern. Sie schlugen ihnen Wunden und Beulen, daß man R. Elia und seinen Diener so blessiert nach Proßnitz gebracht, wo er noch liegt, der Dresdner aber hat sich retiriert. R. Elia hat man alles, was er hatte, weggenommen, worin es besteht, weiß man noch nicht. Daß hier in der Zeitung alles gedruckt wird, die Juden in schlechten Geruch zu bringen, ist mit allen anwendenden Fürsprachen nicht zu redressiren. Sogar ist vor einigen Posten in der Augsburger Zeitung in ein Extra Blättel die völlige Präger Plünderung der Juden im Detail gestanden und in solchen terminis, daraus zu erkennen ist, daß man mit den Juden unrecht verfahren. Dieses Blättel ist hier in denen Kaffeehäusern nicht zum Vorscheine gekommen, weil solches gewissermaßen günstig für die Juden ist. Mithin zu sehen, wie passioniert alles zugeht; daß man antragen sollte auf eine Inquisitionskommission, von diesem Wege lasse ab, und ist bei diese Umstand die Quästion nicht, von ich bereits geschrieben habe, weilen es heißt, die Juden sind ehrlich, man will sie aber doch nicht haben. 43 Fernere Relation von Mittwoch d. 25. Schewat 505. (Wien, 1745, Jänner, 28.) In der Leidener Zeitung wird gemeldet aus dem Haag, daß der König von England, s. E. w. e., seinem in Wien habenden Gesandten befohlen, daß er mit dem holländischen Gesandten wegen denen böhmischen Juden bei der Königin, i. E. w. e., konzert agieren soll. Vom Herrn König von England s. E. w. e. ist an den Gesandten per Expreß Stafett gekommen, daß er der Königin, i. E. w. e., unverzüglich remonstriren sollte, nachdeme man mißfällig vernommen, daß ihre Absicht sei die Juden aus Böhmen zu vertreiben. Allein, was dieses gegen Juden unternommen wird, mußte man in denen Gedanken weiter einsehen, (welches zu verstehen Anlaß gibt nach der Ansicht der Meisten, daß etwa mit der Zeit auf Nichtkatholiken [?] ein Gleiches kommen möchte) müßte, daher rekommandirt der König s. E. w. e. diese Präzipitierung Einhalt zu machen, es hat aber der erwähnte Gesandte kein apartes Instruktionsschreiben vom König, s. E. w. e., an die Königin, i. E. w. e., sondern es ist ihm aufgetragen worden mit diese Formalien es vorzutragen und mit keinem Minister diesfalls zu negozieren, sondern immediate mit der Königin, i. E. w. e., selbst und ihre Antwort durch Stafette an seinen Hof wieder zu berichten. Daß aber dieses also ist, zeigt der Brief des angesehenen R. Bendit N. M., welcher all das Erwähnte avisiert, und daß der angesehene R. Mose Breslau erfolgreich an all dem gearbeitet, und es durch ihn und seinen Einfluß geschehen. Mithin ist mir nicht zweifelhaft, daß solches auf Erinnerung von meinem geehrten Herrn Vater und Lehrer, e. 1., an erwähnten R. Mose und seinen Bruder, den Rabbiner s. L. 1., geschehen und ich wundere mich, daß von diesem guten Erfolge kein Rapport dort eingelaufen sein solle. Holland hat wie erwähnt durch seinen Gesandten interzessioniert, ebenso Mainz, Würzburg und Hamburg auf die beste Weise rekommendiert. Man will zwar hier different wissen, wie der Kurfürst von Mainz, s. E. w. e., mit sehr anzüglichen terminis soll geschrieben haben, aber das sind Reden vom Markte und 428 76