Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1932-01-01 · 4 (1932) · page 440

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
4 (1932)
Date
1932-01-01
Page
– (sequence 440)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2644300-2644307--1899-2646243
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

der Gasse und ohne Begründung, wie denn bei solchen Umständen jeder frei erfindet und gleich Genossen findet, wohl aber sind Kaufleute aus Leipzig hergekommen, um in dieser Sache Instanz zu machen. Der König von Polen, s. E. w. e., hat mit dem Großherzog, s. E. w. e., nachdrücklich geredet, wie das von Leipziger Kaufleuten an selbe wäre gemeldet worden, von dem großen Ruin, den die Vertreibung in ihrem Kommerzium kausiren möchte, es wird auch erzählt, daß wie der König, s. E. w. e., in Leipzig passiert, haben ihm Juden aufgewartet und sehr lamentiert und gebeten, da sie sich die ganze Kriegszeit ehrlich aufgeführt, also möchte der König, s. E. w. e., für sie bitten, darauf ihnen Herr Brühl129 gesagt, sie sollen nicht lamentieren, man müßte aber nicht für einen, sondern für die völlige Kommunität bitten. In Nikolsburg haben der angesehene R. Ber Leipziger und der angesehene R. Mosche Pulitz dem Prinzen Karl, s. E. w. e., aufgewartet, über 1 Stunde bei ihm gewesen und von ihm die Antwort bekommen, wann er hieherkomme, werde er reccommandiren. Bei dem Grafen Chotek habe den Brief von R. E. Landau übergeben, welcher mir geantwortet hat, daß er durch die Post von dem erwähnten R. E. auch einen Brief bekommen hat in dieser Angelegenheit, aber es lauft unter seiner Aswera nicht, in diese Affär zu reden. Was er dabei per Diskurs möchte gut tun können, wird er nicht unterlassen mit unserer gnädigen Herrin, der Königin, i. E. w. e., aber deswegen platterdings zu sprechen, laßt sich von seiner Seite nicht tun, indem hiesige größere Minister sich nicht unterfangen etwas zu reden, viel weniger er. Man will sagen, daß bereits resolvirt soll sein vom hl. Hofkriegsrat eine Inquisitionskommission wegen dieser Sache zu verordnen, das ist aber bisher ohne Grundlage. Der Herr Prinz Bewrn ist imit dem Herrn Großherzog, s. E. w. e., hergekommen, auch Madam de Brühl, aber er kommt nicht her. R. Herz Teplitz aus Dresden ist auch wiederum aus Olmütz hier arriviert. Dieser ist von hier abgereist mit R. Elia Essa, der letztere aber ist unglücklich gewesen, indem sie in Proßnitz keine Postpferde haben können, haben andere genommen und sind in der Nacht am Sabbatausgang auf die Reise, haben 10 Bauern «mit Unter- und Obergewehr angetroffen, diese haben sich gleich des Wagens bemächtigt, die Personen nämlich R. Herz und R. Elia und ihre 2 Diener, auch 2 Juden, welche noch mit ihnen gefahren isind, herab gerissen und allen zusammen die Hände auf den Rücken gebunden, sie mörderisch geschlagen, und ihnen alles, was sie hatten, genommen, sie nackt ausgezogen und genau ausgesucht und dann wie Schafe für die Schlachtbank an dem Wasser, so an der Straße war, liegen gelassen und dann Rat gehalten, einige wollten sie töten, andere aber sagten, wir wollen nicht Hand an ß-ie legen, Einer von ihnen wollte «sie ins Wasser werfen, aber der Heilige, g. s. E., rettete sie aus ihreT Hand, sie beschlossen nämlich, weil sie ja ohnedies gebunden sind, werden sie von selbst erfrieren und ließen sie dort. Ihren Kutscher, der stark zugefahren war, in der Hoffnung gerettet zu werden, haben sie miserabel gehaut. R. Elia hat man müssen mit seinem Diener nach Prerau, der diesem Orte, wo sie attakiert worden waren, nächstgelegenen Gemeinde führen. Da er nun wieder bei sich selbst gekommen, ist er gestern her arreviert. Was man ihnen genommen, ist noch nicht eklat, es hat aber Herr Brühl im Namen des Königs, s. E. w. e., dem Großherzog, s. E. w. e., gemeldet, deswegen inquiriren zu lassen, was auch geschehen. Der Herr Großherzog hat stantepede dem Kreishauptmann ernstlich befohlen genau wegen dieser Räuber nachzuforschen. Wie man wirklich schon durch Bürger in Olmütz Spur hat, daß bei 2 Christen von den Uhren erkannt worden sind, welche aus diesem Raube spezifiziert publizirt waren, daß man Hoffnung hat, die Wahrheit zu erfahren, wer es ist, jedenfalls ist R. Elia ziemlich zugerichtet und wird genau inquiriert. Graf Kinsky hat die Präger Abgesandten für morgen, s. G. w., bestellt, sie in ordine anzuhören. Gott wende es zum Guten. Was man dermalen hier arbeitet und gute Hoffnung hat, ist, daß die Angelegenheit Böhmen, Mähren in Konferenz vorgenommen werden soll, wenn es so ist, hofft man viel Gutes im Interesse der Gesammtheit. Wenigstens hat man die Konsolation, daß die Vornehmen alle wie einer gleich gut gesinnt sind und sich mehr berichten lassen als vor einigen Wochen und vernehmen alles mit Attention und Gnade. Weitere Relation vom 25. Schewat 505 von Wien wegen der Vertreibung in Böhmen und Mähren. 77 429

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.