Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 4 (1932)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- – (sequence 407)
- Language
- German
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Ungarn und Böhmen, i. E. w. e., gehört haben, daß, nachdem sie in Prag rein ausgeplündert worden und viel Mord ausgestanden haben, die Resolution dahin ausgefallen, u. u. v. S. w., daß die Präger Juden Ende Jenuari 1745, d. i. 28. Schewat, die Stadt Prag räumen sollten; die Juden in der Provinz aber bis Ende nächsten Juni 1745 auch das Land räumen sollten, welches Patent in Prag und der Provinz an allen Toren in den Straßen und Plätzen öffentlich angeschlagen worden, welches dann schon so viel nach sich gezogen, daß von den Bauern in der Provinz schon mehrere Hundert Personen, u. u. v. S. w., getötet geworden, sowie aus beikommende Relation zu sehen, abgesehen davon, daß mittlerweile wieder eingelaufen ist, daß die heilige Gemeinde Nachod ganz ausgeharget worden, der Bauer und Pöbel meint nicht anders, der Jud ist vogelfrei, wie man doch auch vom Lande und Prag öffentlich schreibt, daß wenn die Vertreibung Ende künftigen Jenuarii vor sich gehen sollte, nicht allein sämtliche Juden, wie sie aus Prag herausziehen, sondern auch alle Juden auf dem Lande, behüte, vom Pöbel getötet werden. So wie mir nun der gelehrte R. Abraham Levi von Grieshaber gesagt, daß m. k., nämlich R. Eisik Landau, e. L, sehr einflußreich wäre bei dem Herrn Grafen Kottek, dem Schwager des Herrn Graf Kinsky, böhmischen Kanzler, also finde mich gezwungen, im Namen der ganzen Gesammtheit der Juden den angesehenen R. Eisik zu ersuchen, sich alsogleich nach Wien zu begeben per Kurier und nicht allein zu sehen, bei Graf Kottek zu richten, daß er seinem Schwager, dem böhmischen Kanzler, (welcher, u. u. v. S. w., kein Freund ist) bewegt, daß er bei der Königin, i. E. w. e., Fristerstreckung erwirkt, damit man eine Inquisitionskommission anstellt, um zu sehen, wer gesündigt hat und bis zu Austrag der Sachen alles in Status quo zu lassen, sondern auch die Königin, i. E. w. e., selbst nebst ihrem Ministerium um diese Bitte allen Ernstes anzugehen; in Wien und Prag verzweifeln sie, u. u. v. S. w., an ihrer Intervention, denn keine Fürstlichkeit untersteht sich, ein Memorial anzunehmen. Die Königin selbst kann man nicht angehen, weil sie schon im neunten Monate ist und in ihrem Retiro bleibt, also Bruder R. Eisik, Ihr habt schon viele jüdische Seelen gerettet, vielleicht schickt Euch der Heilige, gelobt sei Er, um dieses Verdienstes willen, diese weitere Mizwo und Sechija zu, daß Ihr viele tausende und zehntausende Seelen aus Israel retten sollt. Ich glaube Gott, g. s. E., hat es so geschickt, daß m. k. hat müssen bei Graf Kotteck einflußreich werden, um ein Entree in Wien zu haben, ich wüßte kein anderes und besseres Subjectum als m. k., dem es an Kapazität und Gottesfurcht, auch an Courage nicht fehlt, sowohl die Königin, i. E. w. e., selbst, als alle Fürstlichkeiten anzugehen und besonders m. k. hat Gottlob kein Bart, wird überall hingelassen, mithin 396 44