Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 4 (1932)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- – (sequence 389)
- Language
- German
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11 (Wien, 1744, Dezemb. 30.) Fernere Relation wegen Prag und dem Lande, Mittwoch, den 25. Tewes 505. In Sachen der Interventionen ist alles beim alten und ist bis jetzt nichts unterlassen worden, aber ohne irgend eine Hilfe und alle Türen sind noch verschlossen. Daß man die Königin, i. E. w. e., auf der Straße aufwarten soll, ist derzeit unmöglich, weilen sich bereits in der Retirade begeben,51 daß weder ausfahrt, noch sich tragen laßt, und wann es auch wäre, könnte man sicher jetzt zu solch Unternehmung nit resolviren, weilen nicht einmal in ihre 4 Ellen zu kommen wäre. Am vergangenen Montag kamen 4 Abgeordnete von Prag her, und zwar R. Wolf, Lichtenstadt,62 Gemeindevorsteher, R. Herzke Pisk,63 Mosche Machlup54 und R. Meier Levi,55 den man Miaretochka nennt; ihre Passus, die sie bisher gemacht, sind noch ohne Effekt. Der Letztere von ihnen hat zwar die Preferans in seinem Husarenhabit, an allen Orten, wo er will Entree zu finden, flatiert sich auch im Interesse der Gesammtheit Gutes zu erwirken; Gott möge ihnen allen beistehen und dem Herzen der Königin Gutes für uns eingeben. Bis jetzt ist noch kein oferans, der Hof ist sehr konsterniert wegen des Todes der Herzogin Mariane,56 möglich nimmt der Lebende sich zu Herzen die Worte des Toten. Indessen denkt man jetzt an den Plünderung wirklich nicht mehr, die letzten Drangsale lassen an die früheren vergessen. Es werden auch vom Lande Böhmen Abgesandte herkommen und es wird nichts unterlassen; nur es will bis jetzt keine Fürstlichkeit im geringsten dreinreden. Die Zeit mag es künden zum allgemeinen Wohle. Memorialien sein so gut möglieh ausgearbeitet und verfertigt; bis jetzt aber fanden wir keinen Weg, sie in die Hände der Hoheit gelangen zu lassen. Es geht auch die Rede hier, sogar unter den besonders angesehenen Vornehmen, daß, Gott behüte, mit den anderen Ländern ein Gleiches geschehen sollte, und sogar die Stadt hier soll inbegriffen sein und mit diese Expression, wann schon hier glimpflicher traktieret soll werden, wenigstens kein Jude in der Stadt bleiben, sondern alle vor die Stadt sich begeben sollen. Es ist unglaublich, wenn man erzählt, was alles sporgiert wird, es gibt nichts Neues unter der Sonne. Weilen nicht allein übereilte, leichtfertige Leute solches reden, sondern auch angesehene Vornehme dergleichen Diskurse führen. Möge Gott uns beistehen in alle diesen Ländern. Bis jetzt muß man sich mit der guten Hoffnung trösten, im Laufe der Zeit etwas zu richten, auch einige Fürstlichkeiten die Präzipitierung bedauern, nur bis jetzt traut sich keiner von Groß bis Klein auch nur ein Wörtchen diesfalls zu reden. Andere Relation aus Wien vom 25. Tewes 505 wegen der Vertreibung der Juden in Prag und dem Lande Böhmen. 12 (Bamberg-, 1745, Jänner 1.) Mit Gottes Hilfe, hier in Bamberg, 27. Tewes 505, Frieden meinem geliebten Schwager dem angesehenen, berühmten, vielgepriesenen scharfsinnigen und vielwissenden gottesfürchtigen R. Wolf Wertheim, d. G. 1. Sein Wertes v. 20. u. 23. ds<s. habe ich erhalten. Wir haben vom 18. dss. von Prag einen Brief wegen dessen jeder Jude verpflichtet ist seine Kleider einzureißen,57 mit Abschrift des Befehls der Königin erhalten. Von dieser Stunde ab wurden finster unsere Augen und das Licht unserer Augen ist nicht mehr bei uns. Es ist niemand bei uns, der weiß, warum so geschieht den Dienern Gottes; wir haben nun von Früh bis Abend zu tun, an alle Orte, wo Juden wohnen, Stafetten zu schicken, sich zu versammeln und einzustehen fto das Leben unserer Brüder, der Kinder Israel. Nicht eines von allem, was mein geliebter 378 26