Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 4 (1932)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- – (sequence 382)
- Language
- German
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kriegsrat Befehl hin ergangen, daß man publizieren sollte, wer von die geplünderte Effekten etwas in seinem Besitze, solle es zurückgeben, auch dem dasigen Kommandanten befohlen, in Zukunft auf die Juden Obhut zu haben und besser Kommando zu halten, so ist leider in dem Hauptwerk noch nichts geschehen und ist unmöglich nur unsere Herrin der Königin i. E. w. e. Memorial anzubringen. Man hat nicht allein jeder nach seiner Bekanntschaft das Ministerium angegangen, sondern auch die anderen Herrschaften, welche nur andere beim Hof haben, angerufen. "Aber ist nicht Einer, der sich getrauet, auch nur ein kleines Wort zu reden, viel weniger Memorial zu übergeben. Weilen leider die lügenhaften Verleumdungen in Prag dergestalten der Königin und Höchstdieselbe zu solchem großen Zorn persuadirt worden, daß einige gute Herrschaften, so zugunsten der Juden etwas per Diskurs moniert, von ihr aber ganz feurig reprimandirt worden mit unglaublichen Schimpfworten in summa, es ist der Zorn dergestalten leider unabänderlich und täglich nur schlechter wird, wie auch wirklich am kaiserlichen Hof anbefohlen worden, keinen Juden hineinzulassen und wenn einer sich blicken läßt, gleich in der Macht zu arretieren, mithin einige, welche beim Hof zu sein pflegen, vor allem Baron Agilax und andere große Männer es nicht hazardiren, affrondirt zu werden. Und während wir noch -dasitzen ohne den geringsten Trost über all das Erwähnte, da „ging dieses Kalbhervor,"28 daß nämlich am letzten heiligen Sabbat von der Königin, i. E. w. e., das Verhängnis verhängt und von ihr eigenhändig unterschrieben und besiegelt wurde, alle Juden aus der heiligen Gemeinde Prag zu vertreiben, es solle nicht einer zurückbleiben bis Ende kommenden Jänner, und über die Provinz wurde darin auch gesagt, daß sie vertrieben werden sollten aus der ganzen Provinz Böhmen bis Ende kommenden Juni, dies soll ein unabänderliches Gesetz sein, es ist vom Munde der Königin ausgegangen am heiligen Sabbat und am vergangenen Sonntag solches erklärt geworden. Da versammelten sich die Häupter des Volkes gemeinsam tagtäglich, haben auch gleich einen jungen Mann, einen Hebräer, per Post nach Prag geschickt unseren Schmerz der Gesammtheit bekanntzumachen; was nun leider dieses für Konsternation verursacht und in Zukunft in allen Zerstreuungen Israels verursachen wird, soll Gott, g. s. E., seine Hilfe schicken. Die letzten Bedrängnisse lassen die früheren in Vergessenheit geraten, daß man jetzt nur darauf bedacht sein muß wie man unserer Herrin, der gnädigen Königin, i. E. w. e. Memorial beibringt nur die Präcipitirung auf einige Zeit zu hintertreiben, welches aber bisher keine Mittel gefunden. Wir wandten uns hin und her und sahen, daß kein Mann da sei, der in dieser Angelegenheit sich interponiren will von allen Vornehmen hier. Ich ermangle nicht meine Connessans bei den Herrschaften mit meiner ganzen Seele, meinem ganzen Blute anzuspannen, aber „die Flamme hat die Zedern erfaßt, was können da die Isop an der Wand tun"?28 Gestern waren wir zusammen bei dem Herrn Baron Agilar und verschiedene Propositiones von jedem nach seinem Verstände und Vermögen gemacht worden; Gott erfülle unsere Ratschläge zum Guten, denn wir sind in großer Bedrängnis. Unter der Menge hier geht die Rede sehr different, es läßt sich nicht niederschreiben, man muß schweigen;80 das genügt dem Klugen. Was man noch judiziert und befürchtet, wir müssen sein wie der Dünger auf dem Felde, es ist der Feder unmöglich, die Größe der Leiden zu offenbaren. Der Weise hat seine Augen im Kopfe und sieht das Kommende. Das Wichtigste an der Sache, seit vielen Jahren ist kein solches Verhängnis, keine solche Zeit der Not über unsere Brüder in diesen Ländern gekommen, wie das Unglück, welches leider dermalen ausgebrochen ist. Das ganze Haus Israel beweine den Brand und leicht zu erachten alles konsterniert ist, denn wer kann ruhig zusehen bei dem Unheil, welches u. u. v, S. w. verhängt wurde über unsere Brüder die Kinder Israel, die in Not stehen, Gott erbarme sich ihrer, denn alle menschliche Assistenz und Passus sind bis jetzt nicht fähig gewesen, es zu ändern, sie gehen ohne Kraft, doch die Hilfe Gottes kann im Augenblicke kommen, das Herz der Könige ist in seiner Hand, auf ihn hoffen wir. Wie denn gestern einige Vorschläge sind resolvirt worden und der Herr Baron ist der Bote, er gieng gestern bis Mitternacht an einige Stellen die helfen können, auch Hilfe bringen können, für Geld, vielleicht findet er Gunst, uns aus der Not zu retten, wie er mit Gottes Hilfe das Land Mähren31 vor schweren Verhängnissen gerettet hat. Was nun Euer Wohlgeboren in dieser Sache nach seiner Weisheit zu erinnern gedenkt, möge er uns seine Ansicht kundtun, hier bei den Vorstehern zu proponieren zum Besten der Allgemeinheit. Und 19 371