Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 4 (1932)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- – (sequence 377)
- Language
- German
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Freitag, den 22. d. M. nach einem ganzen Tage, in der ganzen Judengasse blieb nichts als unser nacktes Leben. Mein Zeuge ist in der Höhe, daß ich, mein Weib und meine Kinder nicht haben kein Hemd weiß anzutun, und bis jetzt liegen wir auf Streu, denn sie haben kein Bett übergelassen. Hernach wurden wir gezwungen, eine große Abgabe einzuheben, um Ruhe zu schaffen, und eine große Wache aufzustellen, um nur unser Leben zu retten. Denn alles haben sie geplündert und wir sind noch immer nicht sicher, bis das reguläre Heer kommt, welches dem Vernehmen nach zwischen heute und morgen hier sein soll. Auch darob ist unser Herz wund, ob der Armen, der Bedrückten und Schmerzbeladenen, unter ihnen sind auch Gepeinigte, Geschlagene und Verwundete; sie wendeten sich nach rechts, doch niemand half, nach links, es war niemand, der sie stützte. Ich möchte gerne mehr schreiben, doch wenn ich auch viele Bogen schreiben möchte, könnte ich unsere Leiden nicht beschreiben; es ist seit der Zerstörung des Heiligtums der jüdischen Gesammtheit nicht geschehen, was uns u. u. v. S. w. geschehen ist. Ich werde schon künftig, so Gott will, mehr melden, aber jetzt ist Kopf und Herz nicht bei mir. Ich bin gar nicht in meinem Hause, haben alle Türen und Fenster eingeschlagen, daß nicht bewohnen kann. Damit schließe ich. Dies die Worte Eueres Bruders, der unter Tränen schreibt des geringen Benjamin Wolf s. g. I.13 aus Fürth. 3a G. s. G. P r a g, Mittwoch, den 7. Kislew 505. (Prag, 1744, Dez. 2.) Frieden meinem geliebten Mechutan, dem gelehrten, angesehenen Haupte, dem gottesfürchtigen Manne R. Kopel s. g. 1. Darob weine ich, mein Auge strömt Tränen über die große Zerstörung, die u. u. v. S. w., unserer Gemeinde zugestoßen; am vergangenen Donnerstag gegen Mittag bei Anrücken der Husaren und Banduren kamen sie sofort mit dem Pöbel in die Judenstadt und raubten und plünderten 24 Stunden die ganze Judenstadt und hernach den ganzen Tandelmarkt bis auf das letzte Stück; es wurden 15 Juden getötet, darunter der angesehene R. Sacharja Joss und R. Gabriel, Sohn des Rabbiners, des gelehrten R. Mose aus Mainz, mehrere hundert Personen wurden blessiert, darunter mein Blutsverwandter, der ausgezeichnete Rabbiner, der gelehrte R. Izik, Vater des Gerichtes des Landes, mein Schwager, der Vorsteher R. S. Frenkl, und der angesehene R. Samuel L. S., diese aber Gottlob ohne Lebensgefahr. Das Letzte ist am schwersten, sie zerstörten die Synagogen und heiligen Thorarollen. Viele fanden wir auf der Straße am Boden zerfetzt, wehe den Augen, die solches 366 14