Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 4 (1932)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- – (sequence 373)
- Language
- German
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rens im Laufe von 6 Jahren — jedes Jahr den sechsten Teil — auszuweisen. Wichtig ferner, daß die Wiederaufnahme der Juden in Prag nicht zuletzt eine Folge der durch Wolf Wertheimer immer von neuem angeregten internationalen Fürsprachen ist. Wichtig die Schilderung der fürchterlichen Not der Prager Exulanten und wichtig vor allem die Grundlagen, auf welchen die unerschwingliche Steuerlast der Rezeßjahre errechnet und fixiert wurde. In ein helles Licht gerückt werden auch einzelne Personen, so vor allem Wolf Wertheimer, dem diese Brief Sammlung ein Denkmal setzt, als einem der bedeutendsten „Fürsprech" und Wohltäter seines Volkes, nicht minder der gelehrte Darmstädter Rabbiner Moses Kann, der Londoner Kaufmann Moses Hart oder Moses Breslauer, R. Tobias Haag und vor allem Moses Löb, der kluge politisch und historisch geschulte Stadlan, der schon 43 Jahre für seine Glaubensgenossen wirkt und in seinem Pessimismus immer mit dem drohenden Unglück rechnet und seine Wirkung auf das geringste Maß zu reduzieren sucht. Auch Baron Diego Aguilar oder wie er hier genannt wird Baron Mosche Aguilar wird uns in seinem großen Einflüsse und seiner unermüdlichen Tätigkeit für die Juden geschildert. Neben diesen Bereicherungen unseres Wissens um jene Zeit und ihre Menschen hat vor allem auch die Familiengeschichte aus unseren Briefen reichen Gewinn. Sie zeigen uns, wie die vornehmen Geschlechter der Judenheit, ob sie nun in Prag oder Wien wohnen oder in Dresden, Hamburg, Frankfurt, Fürth, Amsterdam, London, fast durchwegs miteinander verwandt oder verschwägert sind, sie wird an der Hand dieser Briefe noch manche Verwandtschaft feststellen, manchen Stammbaum ergänzen können; sie zeigen uns aber auch, wie diese sozial hochstehende Klasse der Juden, der Hoffaktoren und Oberhoffaktoren und Hofjuden immer bereit waren, einzutreten für ihre schwächeren Brüder, damit es nicht den Anschein habe, als wären „die Juden dort, Gott behüte, vogelfrei" (33). Und damit kommen wir auch auf die reiche Ausbeute, die unsere Briefe dem Kulturhistoriker bieten werden. Statt vieler, sei hier nur eines Beispieles gedacht. Wolf Wertheimer müht sich, die judenfeindlichen Äußerungen der Zeitungen zu verhindern, womöglich günstige Nachrichten über Juden darin abdrucken zu lassen, und da erweist sich eines Tages, daß die Augsburger Zeitung von einer Nummer zwei Ausgaben druckt, eine, die Wertheimer zugeschickt bekommt, in der ein den Juden günstiger Bericht abgedruckt ist, eine andere, die anstelle dieses Berichtes eine ganz andere Erzählung hat (48). 362 10