Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 4 (1932)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- – (sequence 368)
- Language
- German
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versagt unser Epistolar, da es weder die von Grunwald veröffentlichte Eingabe des Hamburger Senats an die Königin noch an die Gräfin Fuchs erwähnt, was um so verwunderlicher ist, als andersseitige Interventionen bei der Gräfin Fuchs verzeichnet werden und auch Hamburger Juden als Helfer und Korrespondenten Wertheimers auftreten. Inhalt der wesentlichsten Stücke« Wolf Wertheimer schreibt an seinen Sohn Samuel in Wien und an R. Mose Löb und bittet sie mit Bezug auf ein beigelegtes Wiener Diarium vom 18. November 1744, entschiedenst gegen die darin enthaltenen Verleumdungen bei der Königin, ihrem Gemahl und den Konferenzministern einzuschreiten (1, 2 vom 1. Dezember 1744). Berichte von Augenzeugen über die Plünderung der Prager Juden am 26. November 1744 (3, 4), von denen Wertheimer bereits am 7. Dezember Abschriften nach Hildesheim, München, Hamburg, Frankfurt, London und Breslau sendet. Unterm 24. Dezember Berichte von dem Ausweisungsdekret, die Interventionen in Wien bei der Königin wegen der Plünderung der Juden und wegen der Verleumdungen bleiben erfolglos, die Königin übernimmt kein Memoriale und belegt die Vornehmen, die gelegentlich für die Juden sprechen, mit unglaublichen Schimpfworten. Bei Baron Aguilar wird über Mittel und Wege beraten, wenigstens vorläufig den Termin hinauszuschieben, man beantragt, Interzessionsschreiben auswärtiger Fürstlichkeiten zu erlangen (7). Wertheimer schreibt an R. Mose Kann nach Frankfurt, er solle vom Kurfürsten von Mainz ein Schreiben erwirken, das die Ungerechtigkeit der Maßregel betonen soll, da die nach Abzug der Franzosen angestellte Inquisitionskommission wohl viele Adelige und Bürger, aber keinen einzigen Juden schuldig befunden habe, desgleichen durch R. Tobia Haag, eine Intervention der Generalstaaten von Holland und des Königs von England, und wenn irgend möglich ein Schreiben des Papstes. Weiters soll durch Rabbiner Hirsch Oppenheim, ein Schreiben des Kurfürsten von Köln, durch R. Michel Hannover, das Einschreiten des Hannoveraner-Ministeriums angesucht werden, durch R. Sender Braunschweig, die Fürsprache des Wolfenbüttelschen Hofes. Eventuell soll man, da Briefe nicht genug wirksam sind, Abgesandte nach Holland und England senden (8). Wertheimer fordert seinen Sohn Isak in Fürth auf, beim Bischof von Würzburg Fürsprache zu erwirken (10). Am 31. Dezember wird aus Wien berichtet, daß man an die Königin 5 357