Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 4 (1932)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- – (sequence 331)
- Language
- German
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Handels überhaupt der Fall, wie sich schon aus der großen Zahl der jüdischen Handelsleute ergibt. Mit Geldwechsel- und Geldleihgeschäften (in der Konskription wechseln die Ausdrücke: Wechsler, Auswechsler, Wechsel, Geldauswe-chsler, Geldwechsler, Geldauswechslen, Wechselnegoftiant, Wechseinegotium, Geld auf Interesse, von Interesse, von Zinsen) befaßten sich im Ghetto 64 Männer (darunter hatte einer daneben auch ein Ledergeschäft und einer war Beisitzer der Judenältesten) und 10 Frauen (Wechslerin). In diese Gruppe gehören fraglos auch 6 Personen, von denen in der Konsignation angegeben ist, daß sie „von ihren Mitteln" leben, vielleicht auch ein Teil jener Personen, bezüglich der in der Konsignation vermerkt ist, sie hätten keine Beschäftigung (ihre Zahl war übrigens nicht groß, im ganzen 12; hätten diese Personen von öffentlicher Mildtätigkeit gelebt, so würde sich vermutlich ein diesbezüglicher Vermerk finden, wie aus der tief erstehenden Kategorie hervorgeht). Groß war die Zahl der Leder- und Stoffhändler. Mit ausgearbeitetem Leder (Leeder) handelten 62 Männer (einige darunter waren Spezialisten: 3 handelten mit rohem Leder, 1 mit färbigem Leder und 1 mit ausgearbeitetem Schafleder; einige handelten überdies noch mit andern Artikeln: 1 mit Eisen, 1 mit Hüten, 1 mit Gold- und Silberborten, 1 mit Fischbein, 1 verkaufte auch Hosen und 1 hatte gar eine Kaffeesiederei), ferner 1 Frau (Leederhandlerin). Mit unausgearbeiteten Kalb- und Schaffellen handelten 2 Männer und mit roher „Hauth" 5 Männer (1 handelte daneben auch mit ausgearbeitetem Leder und 1 handelte speziell mit roher Rindshaut und Schaffell); mit Juchten trieb nur ein einziger Handel. Das Ausarbeiten des Leders besorgte im Ghetto ein „Garber" und ein „Weißgarber". Auch das Taschnerhandwerk betrieb nur ein einziger Jude im Ghetto, während Sattler (auch „Sattlerarbeit") im ganzen 4 vorhanden waren, außerdem hantierte ein Jude mit „Sattlerwaar". Der Stoffhandel zerfiel in mehrere Gruppen. Am schwunghaftesten war der Handel mit Leinwand, von dem sich 73 Personen nährten (einige Handelsleute spezialisierten sich auf Wachsleinwand: 1, auf Glanzleinwand: 2, auf farbige Leinwand: 3, auf grobe Leinwand: 1, wieder andere handelten auch noch mit anderen Artikeln: mit Geschmeid: 3, mit Flor: 1, mit Baumwolle: 1, mit Zwirnstrümpfen: 1, mit Futterstoff: 1, mit Barchent: 1, mit Eisen: 1, mit Spezereiwaren: 1, mit Fischbein: 1). „Leinwanddrucker" gab es 3. Mit Seidenhandel beschäftigten sich 33 Personen (daneben verkauften sie: Tücheln und Flanell: 3, Wollware: 1 und eine Person trieb auch die Krämerei; Spezialisten waren die Seidenzeughändler: 1, und die Seidenbandkrämer: 4. Die „Seidendreherei" betrieben 4 Männer und 3 Frauen. Mit 320 24