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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1932-01-01 · 4 (1932) · page 330

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
4 (1932)
Date
1932-01-01
Page
– (sequence 330)
Language
German
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IRI
…/2644300-2644307--1789-2646133
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Die angeführten statistischen Daten gewähren also guten Einblick in die Prager Ghettoverhältnisse in den Zwanzigerjahren des 18. Jahrhunderts und geben sicherlich im großen ganzen den tatsächlichen Zustand wieder. Mit einer restlosen Genauigkeit freilich kann man kaum rechnen. Denn einerseits waren der damaligen Zeit an und für sich die wissenschaftlichen (statistischen) Konskriptionsmethoden unbekannt, anderseits war die Konskribieinrag im geschlossenen Ghetto für die ortsunkundigen christlichen Kommissäre mit bedeutenden Schwierigkeiten verbunden, was natürlich Unvollständigkeit zur Folge haben mußte. Aber neben den erörterten statistischen Ziffern bieten die in der letzten Rubrik der Konsignation enthaltenen Angaben über Beschäftigung der Familienhäupter einen außerordentlich wertvollen Ausblick auf ein anderes wichtiges Gebiet des jüdischen Lebens, nämlich auf das Wirtschaftsleben sowie auf das soziale und öffentliche Leben überhaupt. Aus den bereits angedeuteten Gründen bieten freilich auch diese Daten kein völlig bis auf das letzte i-Tüpfelchen genaues Bild, in den Grundzügen aber ist es zweifellos echt, wie der Vergleich mit anderen zeitgenössischen Nachrichten über die wirtschaftlichen Verhältnisse im Prager Ghetto erweist. In welcher Weise und in welcher Form die Konsignation abgefaßt wurde, ist aus der oben mitgeteilten Probe ziemlich deutlich zu ersehen. In der nun folgenden Übersicht will ich die diesbezüglichen Angaben der Konskription bearbeiten und in einige Gruppen einteilen. Für die in der Übersicht angeführten statistischen Ziffern gilt es zu beachten, daß im Ghetto 2335 selbständig erwerbstätige Personen lebten und daß diese Ziffern daher mit dieser Zahl verglichen werden müssen. Die wirtschaftliche Grundlage des Ghetto bildete der Handel, zu dem die Juden seit Jahrhunderten gezwungen waren, einerseits durch ihren Ausschluß aus der Landwirtschaft, anderseits durch Beschränkung ihrer industriellen (handwerklichen) Unternehmungslust. Unser Konskriptionselaborat legt davon ein sehr beredtes Zeugnis ab. Die Handelszweige waren Legion, vom Bankwesen bis zur Trödlerei war fast jegliche einschlägige Hantierung vertreten; nicht selten befaßten sich auch die jüdischen Erzeuger mit dem Vertrieb der von ihnen selbst hergestellten Waren, weshalb ich sie in die entsprechenden Handelsgruppen einreihe. Bemerkenswert ist auch die ziemlich große Anzahl von Frauen, die sich im Ghetto als selbständige Unternehmerinnen betätigten. Eine zahlreiche Kategorie für sich bildeten die Handels-Kommissäre und Vermittler beiderlei Geschlechtes, unter denen wiederum die „Hausjuden" und „Hausjüdinnen" eine charakteristische Gruppe bildeten; ihre Klientel rekrutierte sich hauptsächlich aus der christlichen Bevölkerung — dies war übrigens auch beim Großteil des jüdischen 23 319

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